Film "This Is love" flirtet mit dem Skandal

Thema Pädophilie

Könnte es sein, dass Matthias Glasner durch "Der freie Wille" auf den Geschmack gekommen ist? Nach dem Vergewaltiger-Drama um das Triebtier Mann packt der Filmemacher wieder ein heißes Eisen an: Ein 35-Jähriger mit pädophiler Neigung verfällt einem vietnamesischen Mädchen von etwa elf Jahren.

Von Kai-Uwe Brinkmann

18.11.2009, 17:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Corinna Harfouch spielt die Polizistin Maggi.

Corinna Harfouch spielt die Polizistin Maggi.

"This Is Love" behauptet der Filmtitel gewollt provokant und skandalflirtend. Die Geschichte fällt dann zahmer aus als vermutet. Chris (Jens Albinus) vergeht sich nicht an Jenjira (Lisa Nguyen). Er ist kein Kinderschänder, kein Scheusal der Tat, sondern einer, dem das Mädchen zur Obsession wird. Es ist sein Kumpel (Jürgen Vogel), der Jenjira anfasst und den Chris dafür zusammenschlägt.

Chris' Liebe, so Glasner, ist rein und körperlos. Ein scheuer Gutenachtkuss, dann würgt Chris am Grausen vor sich selbst. Jenjira, frühreif, altklug, hat in Vietnam im Bordell gearbeitet und bietet sich an. "Ich will Dich!", lässt Glasner (auch Drehbuch) sie rufen. Weiß sie, was sie sagt?Bei diesem Paar wird einem ungemütlich

Auch wenn explizit nichts passiert, wird einem ungemütlich bei diesem Paar, das sich in einer Wohnung einquartiert und als Vater und Tochter auftritt. Problematisch ist Glasners Fixierung auf Chris und seine Nöte. Ein Beigeschmack von "Sympathy For The Devil". Die Innenwelt des Kindes ist ausgespart. Es empfindet Dank für Chris, weil er es aus den Fängen der Prostitutions-Mafia holt und würde den Beschützer wohl in der Währung zahlen, die es kennt. Das soll "Liebe" sein?Regisseur mutet dem Zuschauer ganz schön was zu

Glasner will den Kinogänger irritieren und verblüffen. Das schafft er auch. Indem er uns noch mehr zumutet. Mehr kaputte Typen und verkorkste Affären. Corinna Harfouch spielt eine Polizistin. Alkoholikerin mit bizarrem Ehetrauma. Ein Verhör mit Chris wird zum gegenseitigen Seelen-Strip. Harfouch ist großartig, die Figur bleibt dennoch eine Marionette in Glasners Tragik-Kabinett. Anti-Unterhaltung, die über das Ziel hinausschießt: Gewagtes, Geschraubtes, Erkünsteltes und Eruptives befördert keinen Denkanstoß, sondern Kopfschütteln.

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