Flug ins Surreale: Düsseldorf feiert neue Spielstätte "Central"

DÜSSELDORF Mit dem Festival "Neue Dramatik: China" feiert das Düsseldorfer Schauspielhaus noch bis morgen die Eröffnung seiner neuen Spielstätte Central neben dem Hauptbahnhof. Geduld war gefordert am Donnerstagabend, denn mit rund 30 Minuten Verspätung begann die Uraufführung des Auftragswerks "In der Mitte des Himmels" von Duo Duo.

von Von Britta Helmbold

, 13.03.2009, 15:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Flug ins Surreale: Düsseldorf feiert neue Spielstätte "Central"

Das Düsseldorfer Schauspielhaus.

Das Warten hatten die Zuschauer mit den Flugpassagieren des Stücks gemeinsam. Auch bei ihnen verzögerte sich der Start - plötzlich ist die Vibration weg, die ein Gefühl wie im Flieger entstehen ließ. Die Publikumstribüne, eingekleidet in Frachtgutholz, ist gleichzeitig Spielraum (Bühne: Wang Guofeng).

Phantasievoll inszeniert

Die chinesische Regisseurin Cao Keffei setzt den Mikrokosmos einer krisengeschüttelten Gesellschaft mit dem spielfreudigen Ensemble phantasievoll in Szene - auch unter Einsatz von (live) Videoprojektionen (Michael Deeg). Da ist Christoph Müllers reicher Herr Zhao, der seiner Ex nachtrauert. Die sitzt neben ihm - Kathleen Morgeneyer spielt diese Schriftstellerin leicht verwirrt. Xenia Snagowskis Werbefrau hat Verluste erlitten und ist vermutlich schwanger, Matthias Fuhrmeisters gibt den smarten Geschäftsmann, der scheinbar noch alles im Griff hat. Das ausgerissene Girlie von Lisa Arnold hat schon lange jede Bodenhaftung verloren.

Momente der Verunsicherung

Unter den Reisenden entsteht ein eigenartiges Beziehungsgeflecht, das in einer Art Party endet. Vorher unternehmen sie gemeinsame Proteste, doch sie werden von der resoluten Stewardess (Esther Hausmann) im Keim erstickt. Mit Entspannungsübungen hält man sich gemeinsam fit und baut Stress ab. Mit Wassergläsern auf dem Kopf und Stäbchen im Mund heißt es, sich auf die Übungen zu konzentrieren.

Es ist ein Flug, der ins Surreale abdriftet, der von der Verlorenheit in der Zeit erzählt, von Sehnsüchten, Ängsten und Enttäuschungen. Intime Momente der Verunsicherung, Heimatlosigkeit wechseln mit aggressiven Selbstbehauptungsversuchen. Anerkennender Applaus für das deutsch-chinesische Projekt.

Termin: 14.3., Karten: Tel. (02 11) 36 99 11.