Foot Locker will alle Filialen von Runners Point schließen

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Foot Locker will alle Filialen der Laufschuh-Kette Runners Point und die Zentrale in Recklinghausen schließen. Dessen Bürgermeister Christoph Tesche ist über das Vorgehen entsetzt.

von Stefan Schulte

Recklinghausen

, 18.05.2020, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Sportschuh-Kette Runners Point steht vor dem Aus: Der amerikanische Mutterkonzern Foot Locker will die Marke in Deutschland aufgeben, die Zentrale in Recklinghausen und bundesweit alle 73 Filialen schließen, wie das Recklinghäuser Rathaus mitteilte.

Wenig später bestätigte der Handelskonzern: „Alle Filialen werden geschlossen“, sagte ein Sprecher der US-Firma am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dies gelte auch für die Filialen in Österreich und der Schweiz.

Im Recklinghäuser Rathaus ist man bitter enttäuscht, die Geschäftsführung von Runners Point habe Bürgermeister Christoph Tesche am vergangenen Freitag über ihre Schließungs-Pläne informiert. Das Unternehmen war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Es sollen bundesweit 1500 Arbeitsplätze betroffen sein.

Aktuell 73 Geschäfte in Deutschland

Runners’s Point hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich, gegründet wurde der auf den Laufsport spezialisierte Schuhhändler 1984 als Karstadt-Tochter. 2013 übernahm der amerikanische Schuh-Gigant Foot Locker die deutsche Kette, die in den vergangenen Jahren bereits einige ihrer einst 130 Filialen schließen musste.

Teile der Zentrale wurden von Recklinghausen in die Niederlande verlagert, aktuell sind der Internetseite zufolge noch 73 Geschäfte in Deutschland geöffnet, darunter je zwei Filialen in Mülheim und Düsseldorf sowie je eine in Duisburg, Oberhausen, Bochum und Recklinghausen. Dort sitzen auch die Zentrale von Runners Point, ein Großlager und die IT-Gesellschaft, insgesamt verliert die Stadt 170 Arbeitsplätze.

Bürgermeister Tesche reagiert verärgert

Bürgermeister Tesche reagierte „mit großer Betroffenheit und Verärgerung“ auf den Rückzug des Traditionsunternehmens in US-Hand. „Das ist für unsere Stadt leider ein echter Schlag ins Kontor. Vor allem tut es mir leid für die rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nun urplötzlich ihren Arbeitsplatz verlieren“, sagte Tesche, „dahinter stehen die Schicksale von Familien. Solche Nachrichten sind immer bitter, kommen in der Corona-Krise aber erst recht zur Unzeit.“

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Die Marke Runners Point werde komplett aufgegeben, teilte die Stadt mit, alle Filialen sollen geschlossen werden, die Verwaltung ganz in die Niederlande verlegt werden. Nach Informationen unserer Redaktion sind die zu Runners Point gehörenden 65 Sidestep-Filialen nicht betroffen. Eine Bestätigung durch das Unternehmen gab es zunächst nicht, in der Recklinghäuser Zentrale war am Montag niemand erreichbar.

Sidestep-Filialen sollen wohl erhalten bleiben

„Das hat nichts mit dem Wirtschaftsstandort Recklinghausen zu tun, sondern ist eine strategische Entscheidung des Unternehmens Foot Locker, für die ich kein Verständnis habe“, sagte Tesche. Er habe dem Unternehmen und den Beschäftigten volle Unterstützung zugesagt, den Standort Recklinghausen doch noch zu erhalten.

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Danach sieht es aber nicht aus. Bundesweit sind rund 1500 Mitarbeiter von Runners Point betroffen, die meisten arbeiten in den Filialen. „Die Mitarbeiter trifft diese Entscheidung völlig unerwartet. Sie hatten das zum jetzigen Zeitpunkt in keinster Weise erwartet“, sagte Arbeitsrechtler Jürgen Graser unserer Zeitung. Er vertritt die Betriebsräte der Runners-Point-Verwaltung und der IT-Gesellschaft mit zusammen rund 120 Beschäftigten.

Onlinehandel als großer Gegner

Die Betriebsräte seien nicht gewillt, diese Entscheidung hinzunehmen, ohne dass Alternativen zumindest geprüft würden. Einige Betroffene hätten schon zu Karstadt-Zeiten für Runners Point gearbeitet, sie treffe die Schließungs-Entscheidung der US-Mutter Foot Locker besonders.

Das Geschäft mit Schuhläden ist seit Jahren unter Druck, es leidet besonders unter der Verlagerung in den Onlinehandel. Zuletzt mussten viele Schuhhändler Filialen schließen, Deichmann etwa gibt seine eigene Kette Roland auf.

Dieser Artikel erschien zunächst bei der WAZ.

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