Fragen und Antworten zur Ausleihe von elektronischen Medien

Die virtuelle Bücherei

Warum in eine Bibliothek gehen, wenn Hunderte Bücher quasi in die Hosentasche passen? E-Books und virtuelle Büchereien machen Bibliotheken Konkurrenz. Trotzdem gibt es gute Gründe, sie zu besuchen. Und daran wollen 11 000 deutsche Büchereien am heutigen Tag der Bibliotheken erinnern.

DORTMUND

von Von Dominique Snjka

, 23.10.2013, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt zu vielen Themen Aktionstage. Brauchen wir auch einen Tag der Bibliotheken?

"Für manche Menschen ist die Bibliothek die einzige Möglichkeit, kostenlos zu lesen", sagt Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin des Deutschen Bibliotheksverbandes. Dafür brauchen Bibliotheken allerdings Geld. Die Büchereien gehören zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen. Wenn Gemeinden sparen müssen, trifft das also auch die Bibliotheken. Im Vergleich zu Bayern und Baden-Württemberg müssen die nordrhein-westfälischen Bibliotheken sparen. Das macht sich meist an gekürzten Öffnungszeiten bemerkbar. In Duisburg gab es ursprünglich 39 Zweigstellen, die bis 1994 auf 13 reduziert wurden.

Finanzielle Probleme - das ist die eine Seite. Konkurrenz durch E-Books und Online-Buchhandel die andere. Wird es 2050 noch Büchereien geben?

"Vielleicht nicht so, wie wir sie kennen", glaubt Barbara Schleihagen. Bibliotheken seien nicht nur der Ort, wo man Bücher ausleihen kann. Oft sind sie auch einfach nur Treffpunkt. Deshalb wird die Bibliothek nicht einfach verschwinden - aber sie verändert sich. Schon jetzt bieten Büchereien Kurse zur Recherche oder zum Umgang mit dem Internet an. In Zukunft wird es noch mehr dieser Angebote geben.

Werden wir auch weiter gedruckte Bücher und Zeitungen in Regalen und Ständern finden?

Mehr oder weniger. Viele Bibliotheken haben ein Stamm-Publikum, das nur wegen überregionaler und ausländischer Tageszeitungen kommt. Und zwar, um sie auf Papier zu lesen. Zwar bieten Bibliotheken auch elektronische Zeitungen an. Offensichtlich halten viele aber immer noch gern ein Stück Papier in der Hand.

Ist es nicht einfacher, die Antwort auf eine Frage im Internet zu suchen, als in die Bücherei zu gehen?

Vielleicht geht das schneller. Die Bibliothek bietet aber den Vorteil, mehrere Quellen miteinander vergleichen zu können. Dabei helfen auch die Bibliothekare. Bei Internet-Texten lässt sich nicht immer feststellen, wer sie geschrieben hat. Außerdem prüft niemand, ob die Informationen aus dem Netz auch stimmen.

Nutzen weniger Menschen die Bibliothek als früher?

Die Besucherzahlen in ganz Deutschland sind laut dem Deutschen Bibliotheksverband gleich geblieben. 124 Millionen Besucher bei 471 Millionen Ausleihen weist die Statistik für 2012 aus.

Ist es auch in unserer Region möglich, Bücher im Internet auszuleihen?

Ja. Die Stadt- und Landesbibliothek Dortmund bietet E-Books zum Download an. Momentan aber nur wissenschaftliche Literatur. Romane sind voraussichtlich ab Dezember erhältlich. Außerdem gibt es im Ruhrgebiet die "Onleihe Ruhr". Sechs Bibliotheken haben sich zusammengeschlossen und bieten 15 000 Medien kostenlos zum Download an. Wer einen Ausweis für die öffentliche Bibliothek in Bochum, Ennepetal, Hattingen, Herne, Schwelm oder Witten hat, kann Kinderbücher, Comics, Ratgeber und Romane ausleihen. Die Dateien lassen sich nur eine bestimmte Zeit lang öffnen. "Das ist wie in einer realen Bibliothek, zur gleichen Zeit kann immer nur ein Leser ein bestimmtes Buch ausleihen", erläutert Waltraud Richartz-Malmede, Leiterin der Bochumer Stadtbücherei. Allerdings sind bei den Nutzungsrechten noch viele Fragen offen: Einige Verlage sträuben sich, den Download und die zeitweilige Nutzung der Bücher zuzulassen.

 

 

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