Frecher "Liebeswechsel" von Prinz Paris

Tage Alter Musik

Es waren wilde und rosige Zeiten für junge Musiker im Leipzig des frühen 18. Jahrhunderts. Das Publikum gierte nach Musik und neuen Opern. Selbst für "musikalische Studenten" gab es jede Menge Auftrittsmöglichkeiten und gutes Geld zu verdienen.

HERNE

von Von Karsten Mark

, 12.11.2012, 15:50 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die "Lautten Compagney Berlin" spielte die Oper von Heinichen.

Die "Lautten Compagney Berlin" spielte die Oper von Heinichen.

Eine Zeit lang spielte dort auch der junge Johann David Heinichen, der wie Telemann eigentlich Jura studierte. Auch ihn hatte die Begeisterung für die Oper gepackt und nur zu gern wäre er in Telemann Fußstapfen getreten. Doch so steil wollte ihm seine Komponistenkarriere nicht gelingen. Seine Werke wären wohl weitgehend in Vergessenheit geraten, gäbe es nicht Spezialisten wie Wolfgang Katschner und seine "Lautten Compagney Berlin", die sie wiederbeleben.Dreiakter von Heinichen Zum Abschluss der Tage für Alte Musik in Herne brachte das Barockensemble Heinichens komischen Dreiakter "Der glückliche Liebeswechsel oder Paris und Helena" am Sonntag zur Aufführung.

Konzertant ist es nicht einfach, die Komik eines Stücks zu bewahren. Der jungen, elanvollen Solistenriege gelang dies durchaus gut - auch weil die Textverständlichkeit ausgezeichnet war.Keine hohe Dichtkunst Es ist keine hohe Dichtkunst, die Heinichen vertont hat. Nach heutigen Maßstäben läuft das Libretto wohl unter der Rubrik Klamauk. Der trojanische Prinz Paris hat in seiner Heimat Prinzessin Enone die Ehe versprochen, verliebt sich in Griechenland aber in Helena, brennt mit ihr durch und strandet auf der Insel, auf der Enone Hof hält. Dienerin Rusilla versucht, die Verlassene mit einem anderen Prinzen zu verkuppeln.

Frecher Text Nicht nur der mit sexuellen Anspielungen gespickte Text muss für die damalige Zeit frech gewesen sein, Heinichen kümmerte sich auch wenig um Konventionen der Harmonielehre und Satztechnik. Indes ist genau diese Frechheit das Salz in der Suppe, welches die Oper heute hörenswert macht. Das Publikum würdigte ein Spitzenensemble für eine herausragende Leistung.

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