Frühlingserwachen 2012

Alter Wedekind als Jugendautor der Saison

Was für ein modernes Stück, dieses "Frühlings Erwachen"! Der überkommenen moralisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des späten 19. Jahrhunderts entkleidet und der Jugendsprache von heute angepasst, macht es den alten Frank Wedekind zum Jugendautor der Saison. In Oberhausen gelingt dies Karsten Dahlem mit jungen Schauspielern im städtischen "Haus der Jugend".

OBERHAUSEN

von Von Klaus Stübler

, 11.03.2012, 15:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Wendlas Party (v.l.): Nora Buzalka, Manja Kuhl und Elisabeth Wolle.

Wendlas Party (v.l.): Nora Buzalka, Manja Kuhl und Elisabeth Wolle.

Wendla feiert an ihrem 14. Geburtstag "voll die geile Party" mit ihren zwei Freundinnen (ein tolles Trio: Elisabeth Wolle, Nora Buzalka und Manja Kuhl) sowie den Jungs Melchior (Sergej Lubic) und Moritz (Eike Weinreich). Man hat sich verkleidet, Zigaretten werden an den Kerzen der Geburtstagstorte angezündet, Bierdosen zischen, die Videokamera ist im Einsatz. Fünf pubertierende Jugendliche von heute eben.Schulstress und Selbstmord Aber dann kommt hinter der "voll krassen" Oberfläche langsam die Story von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" zum Vorschein und zeigt, dass Themen wie Komasaufen, körperliche Gewalt an Jugendlichen, frühe Schwangerschaft, Schulstress und zum Selbstmord führender elterlicher Druck schon vor über 120 Jahren zum Alltag gehörten.Jugendliche und ihre Probleme Regisseur Dahlem lässt das Drama gleichsam in Realzeit ablaufen und fokussiert es ganz auf die Jugendlichen und ihre Probleme. Die Szenen mit Lehrern, Arzt und Pfarrer sind gestrichen. Das Erwachsenenpersonal ist auf Wendlas Mutter und den Vater von Moritz reduziert. Durch das Bespielen unterschiedlicher Räume und die zwischenzeitliche Aufteilung des Publikums nach Geschlecht ("Wir müssen das alleine besprechen!") gewinnt die Inszenierung an Dynamik und Kraft.

Schauspieler mit Fingerspitzengefühl

Eingeflochtene Äußerungen Oberhausener Jugendlicher zu ihrer schulischen Situation und zur Frage der Schuld beim Selbstmord eines Schülers, vertiefen Hauptthemen des Stücks. Die authentisch wirkenden Schauspieler treffen mit viel Fingerspitzengefühl den jeweiligen Ton - von der Ausgelassenheit der Geburtstagsfeier bis zur beklemmenden Trauer am Schluss. Eine herausragende Inszenierung für Pubertierende und ihre Eltern, nicht zuletzt zum besseren gegenseitigen Verständnis.  

Termine: 16.3., 17.4.; Karten: Tel. (0208) 8 57 8 1 84.

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