Für Hilary Hahn zählt nur die Musik

ESSEN Am Ende waren sie in ihrem Element. Mit Reels aus ihrer Heimat gönnte das Royal Scottish National Orchestra sich und den Zuhörern den Spaß einer ungewöhnlichen Zugabe.

von Von Klaus Lipinski

, 31.01.2008, 16:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Brachte Publikumsherzen zum Schmelzen: Hilary Hahn.

Brachte Publikumsherzen zum Schmelzen: Hilary Hahn.

Vorher konnten sie mit Debussys Licht- und Wasserspielen deutlich weniger anfangen als mit dem "Don Juan" von Richard Strauss. Aber eigentlich zählte an diesem Abend in der Essener Philharmonie nur eines: Hilary Hahn spielte Tschaikowsky.

Die immer noch junge Amerikanerin könnte eine der prägenden Geigerinnen ihrer Generation werden, muss sich dafür aber mehr um den Hintergrund der Musik kümmern. Im Moment fasziniert sie mit ihrer ganz persönlichen Stimme. Die unterscheidet sich sehr vom oberflächlichen Temperament der schottischen Tänze. Bei ihr wirken manchmal nicht nur die Kadenzen so, als wäre sie am liebsten mit sich und ihrer Musik alleine.

Immer ganz sie selbst

Es ist dieser wunderbar reine und zarte Geigenton, der unwiderstehlich die Herzen der Hörer erobert. Hahn kümmert sich immer mehr um die Schönheit der einzelnen Linie als um interpretatorischen Tiefgang. Daraus entsteht eine poetisch verinnerlichte Musik, die vergessen lässt, dass andere aus diesem Violinkonzert eine Zirkusvorstellung machen. Manchmal fehlt ihr der Mut, den Ton aufzurauen oder tänzerischen Passagen eine körperlich bewegte und bewegende Note zu geben. Spätestens die Zugabe, ein Solo-Satz von Bach, machte deutlich, dass sie sich kaum dafür interessiert, wie man im Barock phrasiert hat. Aber sie ist auch in diesem Stück ganz sie selbst.

Das Orchester unter der Leitung von Stéphane Denève präsentierte schöne Farben, vor allem in den Holzbläsern. Daraus formten sie einen schwungvollen "Don Juan". Aber schon hier standen die Linien klar sortiert nebeneinander, ohne sich aufeinander zu beziehen. Das bedeutete später bei Debussy, dass der Grad klanglicher Verschmelzung nicht besonders hoch war. Daher fühlten sich die Schotten am wohlsten, wenn "La Mer" zur stürmischen Nordsee wurde.

Lesen Sie jetzt