Gabriela Montero: "Ich fühle mich frei, wenn ich improvisiere"

ESSEN Gabriela Montero ist eine der ungewöhnlichsten Pianistinnen des Klavier-Festivals Ruhr. Die 38-jährige Venezuelanerin spielt am 17. Juni in der Philharmonie Essen Busoni, Chopin und Liszt, und dann improvisiert sie über Melodien, die ihr die Besucher zurufen. Ein Gespräch mit der Ausnahme-Künstlerin.

von Von Julia Gaß

, 13.06.2008, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gabriela Montero gibt Konzerte in Essen und Dortmund.

Gabriela Montero gibt Konzerte in Essen und Dortmund.

Sie improvisieren, aber nur wenn Ihnen die Besucher ein Lied vorsingen. Warum sollen die Menschen singen? Montero: Mein Kopf ist leer für andere Dinge, wenn ich auf der Bühne sitze. Mir fallen die Lieder dann nicht ein, wenn ich die Titel höre. Und ich kenne viele Lieder aus anderen Ländern nicht. Außerdem möchte ich mit dem Publikum eine Beziehung eingehen, mit ihnen in Kontakt kommen.

Lassen Sie Handy-Klingeltöne gelten? Montero: (lacht) Ja, das machen einige, das ist okay.

Welches war das ungewöhnlichste Lied, das Ihnen vorgesungen wurde? Montero: Das war so ein Handy-Klingelton, ich kannte es nicht, aber es war kurios.

Und was wird Ihnen am häufigsten vorgesungen? Montero: Oft Beethovens 5. Sinfonie, „Summertime“, „Happy birthday“ und auch Paganini.

Sind die Lieder, die das deutsche Publikum singt anders als die in Ihrer Heimat USA? Montero: Sehr unterschiedlich, auch in den verschiedenen Städten eines Landes. Das Publikum bringt mir etwas bei, das mag ich.

Sie sagen, Sie lieben den Gesichtsausdruck der Leute, die etwas Unerwartetes hören. Wie gucken die denn? Montero: Amüsiert, überrascht und fröhlich. Das finde ich besonders schön.

Man liest, sie hätten noch in Windeln die Gutenachtlieder Ihrer Mutter nachgespielt, mit drei Jahren Musik erfunden und mit acht Jahren im Fernsehen improvisiert. Mit 16 Jahren wollten Sie sich vor einem Konzert die Hand brechen. War das Improvisieren eine Befreiung? Montero: Ich habe begonnen, zu improvisieren, als ich zwei, drei Jahre alt war. Das war mein erster Ausdruck von Musik. Ich fühle mich frei, wenn ich improvisiere.

Sie sind Meisterschülerin von Martha Argerich. Sie spielt auch beim Klavier-Festival, am 8. Juli im Konzerthaus Dortmund. Montero: Oh, ich wusste nicht, dass wir beim selben Festival spielen. Wir haben nicht drüber gesprochen, sie ist so beschäftigt. Und eine wundervolle Lehrerin. Ich glaube, sie würde auch gerne improvisieren, sie ist so musikalisch.

Für das Konzert am Dienstag (17.6.), 20 Uhr, in der Philharmonie Essen gibt es nur noch Bühnenplätze, Tel. 01805001812. Die Echo Klassik-Preisträgerin ist vom 2. bis 12. August auch beim „Tuscan Sun Festival“ in Cortona in der Toscana zu Gast, wo sich die Elite der klassischen Musik trifft. Am 12. September improvisiert sie bei der langen Konzerthausnacht in Dortmund wieder auf Zuruf. Karten: Tel. (0231) 22696200.  Gabriela Montero kann man auch per Email eine Melodie schicken, dann improvisiert sie darüber im Internet.

Lesen Sie jetzt