Mindestens fünf Gäste klagten über Übelkeit: Die Polizei hat am Dienstagabend das Schnellrestaurant KFC im Kamen-Karree vorübergehend geschlossen. Inzwischen ist der Laden wieder geöffnet.

Kamen

, 20.03.2019, 09:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittwochmorgen, 11 Uhr, bei Kentucky Fried Chicken (KFC) im Kamen-Karree. Die Tür des Schnellrestaurants bleibt zur regulären Öffnungszeit zunächst geschlossen, Kunden drehen ab und fahren wieder. „Ich wollte mir eigentlich einen kleinen Bucket mit Hähnchenteilen holen“, sagt ein 34-Jähriger aus Soest. Ein Bucket ist ein Papp-Behälter mit frittierten Stücken.

Erst einige Minuten verspätet geht die Leuchtreklame im Laden an und die Tür öffnet sich. Der Grund für die Verzögerung klingt unappetitlich: Die Behörde für Lebensmittelüberwachung muss erst ausschließen, dass kein Gesundheitsrisiko für Kunden besteht. Denn am Vorabend hat es einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei gegeben, der kein gutes Licht auf den Fastfood-Anbieter wirft. Mehrere Kunden klagten über Übelkeit, weil ihnen die verzehrten Hähnchenteile nicht bekommen waren. Die Polizei untersagte zunächst den weiteren Verkauf von Speisen.

KFC-Filiale im Kamen-Karree: Hot Wings in verdorbenem Frittenfett zubereitet.

KFC-Filiale im Kamen-Karree: Hot Wings in verdorbenem Frittenfett zubereitet. © Stefan Milk

Ekel-Alarm bei Kentucky Fried Chicken

Hot Wings, Filet Bites oder Crispys - so heißen die frittierten Hähnchenteile, die es bei KFC gibt. Schon im Laufe des Dienstags soll sich eine Kassiererin gewundert haben, warum Gäste auffallend viel Essen zurückgehen ließen. Zu später Stunde dann wird gleich mehreren Kunden übel und sie beschweren sich, weil das Essen seltsam schmeckt. Jemand ruft um 22.23 Uhr die Polizei und berichtet von der ungewöhnlichen Situation in dem Lokal.

Zwei Streifenwagen der Kreispolizei Unna machen sich auf den Weg. Die Polizisten treffen vor Ort eine Gruppe von fünf Männern, denen schlecht geworden ist. Eine erwartete zweite Gruppe wird nicht mehr angetroffen. „Es wurden dann Rettungswagen gerufen“, schildert Polizeisprecherin Vera Howanietz am Mittwochmorgen. Die Rettungsleitstelle in Unna löst gegen 22.30 Uhr die Meldung „Massenanfall von Verletzten“ aus.

Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen

Drei Rettungswagen, der Notarzt der Feuerwehr Kamen, der Notarzt der Feuerwehr Unna, der Leitende Notarzt des Kreises Unna sowie die Löschgruppen Kamen-Mitte und Südkamen sind im Einsatz. „Fünf Männer haben über Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen geklagt“, berichtet Andreas Schulze, organisatorischer Leiter des Rettungsdiensts der Feuerwehr Kamen, im Nachhinein. Ein Gast habe sich übergeben.

Die Gäste werden vor Ort notärztlich mit dem Verdacht auf Lebensmittelvergiftung untersucht und anschließend in umliegende Krankenhäuser gebracht. Dort seien sie nach einer Untersuchung wieder entlassen worden, sagt Polizeisprecherin Howanietz.

„Willkommen bei KFC“: Menüangebote vor dem Drive-in-Schalter der Filiale im Kamen-Karree.

„Willkommen bei KFC“: Menüangebote vor dem Drive-in-Schalter der Filiale im Kamen-Karree. © Carsten Fischer

Stichwort

KFC

Hinter KFC („Kentucky Fried Chicken“) steckt eine der größten Systemgastronomie-Restaurantketten der Welt. Die Kunden bekommen dort frittierte Hähnchenteile. „Yum!“ mit deutschem Hauptsitz in Düsseldorf ist nicht nur die Mutter von KFC, sondern auch von Pizza Hut und Taco Bell. Der Mutterkonzern Yum! hat seinen Sitz in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben über 43.500 Restaurants in mehr als 135 Ländern. KFC ist seit 1968 in Deutschland vertreten, die Filiale in Kamen wurde 2013 eröffnet. Seit 2010 sei die Anzahl der Restaurants in Deutschland auf über 150 Filialen verdoppelt worden, heißt es in einem Firmenporträt.

Essensreste und Frittierfett sichergestellt

Die Polizeibeamten nehmen die Personalien von Gästen und Mitarbeitern auf, stellen Essensreste und eine Probe Frittierfett sicher und untersagen dem Schnellrestaurant zur Gefahrenabwehr den weiteren Verkauf. Das gelte so lange, „bis das zuständige Amt untersucht hat, was da passiert ist“, sagt die Polizeisprecherin.

Im Laufe des Mittwochvormittags machen sich Experten vom Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz des Kreises Unna ein Bild von der Situation in dem Fastfood-Lokal und befragen die betroffenen Kunden. Das Ergebnis laut einer Pressemitteilung am Mittag: Alle geben an, „Hot Wings“ gegessen zu haben, und berichten über einen stark abweichenden Geruch des Produktes. „Hot Wings“ sind marinierte und panierte Hähnchenflügel, die es als Dreier-, Sechser- oder Neunerportion gibt.

Fritteuse gereinigt, Gesundheitszeugnisse einwandfrei

Ein dreiköpfiges Team aus Tierärztin, Lebensmittelkontrolleurin und Hygienekontrolleurin knöpft sich das Lokal am Morgen vor. Lebensmittel, Betriebs- und Personalhygiene sowie die Eigenkontrollen werden überprüft. Die Expertinnen lassen sich die Gesundheitszeugnisse zeigen. „Unterm Strich festgestellt wird eine stark abweichende Sensorik (Geruch, Aussehen) des Frittierfettes“, so die Bilanz. Die Behörde ordnet die Entsorgung des Fetts und die Reinigung der Fritteuse an und meldet Entwarnung. Weitere Mängel gibt es offenbar nicht. Einer Wiederöffnung des Lokals steht nichts mehr im Weg.

Die bei der Kontrolle entnommenen Proben werden zur chemischen und mikrobiologischen Untersuchung in das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Westfalen (CVUA) nach Hagen und Arnsberg geschickt. Die Auswertung soll voraussichtlich eine Woche dauern.

Im Wortlaut

Das sagt KFC

„Das KFC Restaurant in Kamen wurde nach der Überprüfung durch die zuständigen lokalen Behörden wieder geöffnet“, heißt es in einer Stellungnahme des Hähnchenbraters zu dem Fall. „Das Restaurant wurde aufgrund eines Vorfalls am Dienstagabend, 19. März 2019, geschlossen: Eine Gruppe von fünf Personen hatte gegen 22.30 Uhr über Übelkeit geklagt, woraufhin Polizei und Rettungsdienst informiert wurden und vor Ort eintrafen. Aktuell untersuchen wir in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen lokalen Behörden die Ursache der geschilderten Fälle. Die Gesundheit und Sicherheit unserer Kunden hat für KFC höchste Priorität. Daher unterstützen wir die zuständigen lokalen Behörden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Wir bitten jedoch um Ihr Verständnis, dass wir zum Schutz unserer Gäste und unserer Mitarbeiter derzeit keine konkreten Angaben zu den laufenden Ermittlungen machen können.“

Fastfood-Meile an der A1 in Kamen

KFC liegt im Gewerbegebiet Kamen-Karree in der Nähe des Möbelhauses Ikea an der A1 in Kamen. In der Nähe sind auch McDonald’s, Burger King und Pizza Hut vertreten. Der KFC-Filialleiter („General Store Manager“) will sich nicht zu dem Vorfäll äußern und verweist auf die Zentrale. In einer Stellungnahme erklärt das Unternehmen am Nachmittag: „Aktuell untersuchen wir in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen lokalen Behörden die Ursache der geschilderten Fälle.“ Die Gesundheit und Sicherheit der Kunden habe für KFC höchste Priorität. Die zuständigen lokalen Behörden würden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt.

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