Geänderte Corona-Teststrategie: Wer soll noch getestet werden?

Coronavirus

Das RKI hat seine Empfehlung für den Einsatz von PCR-Tests verändert. Denn die Testkapazitäten seien im Winter ausgereizt. Patienten ohne Risikofaktor sollen lieber in die Isolation gehen.

04.11.2020, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
So sieht das Wattestäbchen bei einem PCR-Abstrich zum Test auf Covid-19 aus.

So sieht das Wattestäbchen bei einem PCR-Abstrich zum Test auf Covid-19 aus. © picture alliance/dpa

Die Corona-Testkapazitäten in Deutschland sind am Limit. Darin sind sich Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch Instituts, und Michel Müller, Vorstandsvorsitzender der Labormediziner in Deutschland, einig. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin läuteten sie einen Umschwung beim Testen im Winter und bei steigenden Infektionszahlen ein.

Alle Personen mit Erkältungssymptomen könnten bei einer bundesweiten Kapazität von drei Millionen PCR-Tests pro Woche nicht getestet werden. „Das ist weder nötig noch erforderlich“, machte Schaade deutlich. Sprich: Nicht jeder mit für Covid-19 typischen akuten Symptomen, Halsweh und Schnupfen wird noch getestet.

Höhere Dunkelziffer bei Coronavirus-Infektionen

Dadurch werde womöglich auch die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen in der Bevölkerung größer ausfallen, räumte der RKI-Vize ein. Testen diene nicht der Erfassung aller Covid-19-Fälle in Deutschland. Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen ist dann nicht mehr so aussagekräftig wie etwa im Sommer, weil nicht jedem Verdacht nachgegangen wird.

Andere aussagekräftige Kennziffern sind in dieser Phase der Pandemie dann eher die Auslastung des Gesundheitssystems: also die intensivmedizinischen Kapazitäten, die Zahl der schweren Verläufe, die Todesfälle. Die statistische Größe der Reproduktionszahl (R-Wert) gibt zudem Aufschluss über den Erfolg der Maßnahmen zur Eindämmung.

Wer soll bei Symptomen getestet werden?

Das Robert-Koch Institut betont in seiner aktualisierten Empfehlung für Ärzte (3. November): „Es ist viel sinnvoller, die Testkapazität auf diejenigen Personen zu fokussieren, die aus medizinischen oder epidemiologischen Gründen getestet werden sollten.“ Drei Faktoren sind demzufolge inzwischen entscheidend, ob ein Patient mit für Covid-19 typischen Symptomen einen PCR-Test bekommen sollte:

  • Wie schwer fällt die Symptomatik aus? Atemnot, akute Bronchitis, eine Pneumonie, Fieber (über 38 Grad) und eine Störung des Geruchs- und Geschmacksinns zählen beispielsweise als Testkriterium.
  • Gehört die symptomatische Person zu einer Risikogruppe, arbeitet im medizinischen Bereich oder hat insgesamt engen und viel Kontakt zu Risikogruppen?
  • Bestand wahrscheinlich oder bestätigt Kontakt zu einer Sars-CoV-2-positiven Person seit Auftreten der Erkältungssymptomatik? Besuch bei einer Veranstaltung ohne Einhaltung der AHA-Regeln und Kontakt im Haushalt zählen dazu.

Auch bei Schnupfen: Mindestens fünf Tage in Isolation

Wer die Testkriterien nicht erfüllt und keine PCR bekommt, soll sich den RKI-Empfehlungen zufolge aber auch ohne den Nachweis bei Symptomen für mindestens fünf Tage zuhause isolieren. Denn alle Personen mit respiratorischen Symptomen könnten potenziell an Covid-19 erkrankt sein.

„Wenn also Personen mit leichten Atemwegserkrankungen jeglicher Art ihre Erkrankung für fünf bis sieben Tage zu Hause auszukurieren, dann hat das auch einen positiven Nebeneffekt“, erläutert das RKI in einer ebenfalls Anfang November veröffentlichten Strategie-Ergänzung. „Denn diese unerkannten Patienten mit Covid-19 reduzieren so während einem Großteil der Phase, in der sie ansteckend sind, ihre Kontakte und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Virus weitergeben.“

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