Gefährliche Blutgerinnsel: Welches Risiko birgt die Antibabypille?

Thrombose

Corona-Impfungen von Astrazeneca wurden vorerst gestoppt, weil sie eventuell gefährliche Blutgerinnsel auslösen könnten. Auch andere Arzneimittel können das Risiko für Thrombosen erhöhen.

Berlin

17.03.2021, 07:55 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bei der Verschreibung von Antibabypillen wird zur Vorsicht geraten – das gilt vor allem für Pillen, die neuere Wirkstoffe enthalten.

Bei der Verschreibung von Antibabypillen wird zur Vorsicht geraten – das gilt vor allem für Pillen, die neuere Wirkstoffe enthalten. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Thrombosen können nicht nur unter Umständen nach Impfungen, sondern auch als Nebenwirkung von verschiedenen Medikamenten auftreten. Bekannt ist das zum Beispiel bei der Antibabypille. Bei Frauen, die die Pille einnehmen, verändert sich die Zusammensetzung des Blutes, es gerinnt dadurch schneller. In der Folge bilden sich öfter Gerinnsel (Thromben) in den Gefäßen, die diese verstopfen können.

Dabei handelt es sich aber in der Regel nicht um gefährliche Thrombosen der Hirnvenen, wie sie in einigen Fällen nach der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff aufgetreten sein sollen. Die Gerinnsel entstehen stattdessen meist in den Venen der Beine: Typische Symptome an der betroffenen Stelle sind Hitze, Schwellungen und Schmerzen.

Höheres Risiko bei neueren Wirkstoffen

Die Gerinnsel können auch durch die Gefäße wandern, der medizinische Fachbegriff dafür lautet Embolie. So können die Thromben aus den Beinvenen in die Lunge geschwemmt werden und dort die Durchblutung behindern. Man spricht dann von einer Lungenembolie, die unbehandelt lebensgefährlich sein kann. Durchblutungsstörungen im Gehirn kommen deutlich seltener vor. Einer Studie zufolge ist das Risiko für einen Schlaganfall, bei dem der Blutfluss im Gehirn gestört ist, durch die Einnahme der Pille aber bis um das 2,5-Fache erhöht.

Bei neueren Präparaten der Antibabypille ist nicht etwa von einem geringeren, sondern von einem höheren Risiko für Thrombosen und Embolien auszugehen als bei älteren. Darauf machte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schon mehrfach in sogenannten Rote-Hand-Briefen aufmerksam – Warnschreiben, die an medizinische Fachkreise verschickt werden.

Gefahr bei Kombinationspräparaten

Das BfArM hatte das Risiko von Kombinationspillen analysiert: Sie sind die am häufigsten verschriebene Form der Pille und enthalten neben dem Hormon Östrogen sogenannte Gestagene. Je nach Art des enthaltenen Gestagens zeigten sich Unterschiede beim Nebenwirkungsrisiko.

Von Frauen, die nicht die Pille nahmen, hatten pro Jahr etwa zwei von 10.000 eine Thromboembolie. Bei Frauen, die ältere Varianten der Antibabypille einnahmen (sie enthalten die Gestagene Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat) waren es 5 bis 7 von 10.000 Frauen. Bei neueren Varianten der Pille war das Nebenwirkungsrisiko höher: So traten bei 8 bis 11 von 10.000 Frauen, die Pillen mit dem Gestagen Dienogest einnahmen, innerhalb eines Jahres Thromboembolien auf. Das Risiko anderer neuer Pillen ist im Rote-Hand-Brief des BfArM gelistet.

Risiko bei Auswahl berücksichtigen

Die Vorteile der neuen Antibabypillen scheinen hingegen gering, trotzdem werden sie immer noch verschrieben. Viele Frauenärzte verordnen die Präparate zum Beispiel deshalb, weil sie das Hautbild verbessern sollen. Manche Pillen der neueren Generation werden auch damit beworben, dass sie Wassereinlagerungen vorbeugen sollten.

Das BfArM empfiehlt aber, das Thromboserisiko als wichtigen Faktor bei der Auswahl der Pille zu berücksichtigen. Es hat zudem eine Checkliste zur Anwendung aller Kombinationspillen erarbeitet. Diese sollen nicht verschrieben werden, wenn ohnehin schon ein erhöhtes Thromboserisiko vorliegt.

Das gilt laut BfArM für Frauen, die zum Beispiel unter einer Migräne mit Aura leiden, an Gefäßschäden infolge von Diabetes sowie Frauen mit sehr hohem Blutdruck, sehr hohen Blutfettwerten oder einer Vorgeschichte von Gerinnungsstörungen oder Thromboembolien. Auch Frauen über 35, die rauchen oder adipös sind, sollen die Kombinationspillen ausdrücklich nicht verschrieben werden. Rauchen und Übergewicht können das Thromboserisiko nämlich zusätzlich deutlich steigern. Weitere Ausschlusskriterien und Risikofaktoren sind im Dokument des BfArM genannt.

Junge Frauen nehmen immer seltener die Pille

Frauen, die ihr Thromboserisiko minimieren wollen, können ihren Frauenarzt um ein Rezept für ältere Antibabypillen oder für die Minipille (ebenfalls der älteren Generation) bitten: Diese enthält statt der Kombination aus Östrogen und Gestagen nur Gestagene, was wahrscheinlich mit einem geringeren Thromboserisiko einhergeht.

Immer mehr Frauen verzichten angesichts der möglichen Nebenwirkungen inzwischen sogar ganz auf hormonelle Verhütungsmittel. Einer Analyse der AOK zufolge ließen sich im Jahr 2010 noch 46 Prozent der gesetzlich versicherten Frauen im Alter bis 20 Jahre die Pille verschreiben, 2019 waren es nur noch 31 Prozent.

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Für die Impfung von Astrazeneca gilt: Falls die Impfungen fortgesetzt werden, sollten auch hierbei zusätzliche Risikofaktoren berücksichtigt werden. So dürften für Frauen, die bereits hormonelle Verhütungsmittel nehmen, andere Impfungen besser geeignet sein.

RND