Gefühle, Beziehungen und Blaubeerkuchen

Wong Kar-wais „My Blueberry Nights“ beginnt mit einer Trennung. Die junge Elizabeth, die von der Sängerin Norah Jones verkörpert wird, kann nicht fassen, dass ihr Freund sie verlassen hat. Auf der Suche nach Trost geht sie in ein Café und verwickelt Besitzer Jeremy (Jude Law)in ein Gespräch.

von Von Sascha Westphal

, 25.01.2008, 17:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Elizabeth, gespielt von Norah Jones, schreibt Postkarten an Jeremy (Jude Law).

Elizabeth, gespielt von Norah Jones, schreibt Postkarten an Jeremy (Jude Law).

 Aus der zufälligen Begegnung wird ein Ritual. Immer wieder schaut Elizabeth bei Jeremy rein und isst ein Stück Blaubeerkuchen mit Vanilleeis. Doch dann kommt sie nicht mehr. Stattdessen erhält Jeremy Postkarten, die Elizabeths Reise quer durch die Vereinigten Staaten dokumentieren.

Wong Kar-wai ist der Meister der Momentaufnahme. Seine Filme erzählen zwar auch Geschichten, doch sie setzen sich aus kleinen Splittern und verstreuten Beobachtungen zusammen. Die Atmosphäre einer Szene, die filmische Umsetzung einer flüchtigen Stimmung war ihm immer wichtiger als die Erzählung.

Fremder Blick auf die USA

In Memphis, wo Elizabeth einen Job als Kellnerin annimmt, wird sie Zeugin des bitteren Endes der Ehe von Sue Lynne und Arnie. Rachel Weisz und David Strathairn spielen dieses Paar und erfüllen ihre Figuren mit einer Tragik, die einem den Atem raubt. In Nevada begegnet Elizabeth einer von Natalie Portman verkörperten Spielerin. Und wieder dreht sich alles um eine Beziehung, die einen zerstörerischen Sog entwickelt. Nur ist es diesmal die einer Tochter zu ihrem Vater. Seinen Gefühlen kann in der von Neonlicht erfüllten Welt Wong Kar-wais niemand entkommen. Und so kehrt Elizabeth schließlich nach New York zurück. Ein wenig erinnert Wong Kar-wais amerikanisches Debüt an die Filme von Wim Wenders.

Wie der Deutsche hat auch er sich seinen fremden Blick bewahrt. Durch seine Augen kann man Amerika neu entdecken. Auf der einen Seite fügt sich „My Blueberry Nights“ perfekt ins Œuvre seines Regisseurs ein, auf der anderen markiert er einen Neuanfang. Mit dem Gang nach Amerika hat in Wong Kar-wais Universum eine neue, überraschende Leichtigkeit Einzug gehalten, auf deren Nachwirkungen man gespannt sein darf.

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