Coronavirus bei TikTok und Twitter - Die Gegenbewegung zur Massen-Hysterie

Coronavirus

Das Coronavirus ist auch ein Thema in den Sozialen Medien. Auf Twitter und TikTok entsteht mit viel Galgenhumor eine Art Gegenbewegung zur Massenhysterie. Und das ist gut so, sagen Psychologen.

Hannover

06.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
In Sozialen Medien wie TikTok und Twitter begegnen User der Massenhysterie um das Coronavirus mit Galgenhumor.

In Sozialen Medien wie TikTok und Twitter begegnen User der Massenhysterie um das Coronavirus mit Galgenhumor. © picture alliance/dpa

Zuerst war da die Panik. Das Coronavirus grassiert seit Wochen auch in Deutschland, und gefühlt gibt es seither kein anderes Thema mehr - ob in der Bahn, am Arbeitsplatz oder bei der Einkaufsplauderei vor leergefegten Regalen. Corona war und ist überall. Doch hier und da scheinen die Menschen des Themas etwas überdrüssig zu werden - und machen ihrem Corona-Frust lautstark Luft.

Was eignet sich dafür besser, als das Netz. Nachdem auch die Social Media-Kanäle zunächst von einer Woge der Hysterie erfasst wurden, entwickelt sich nun mit zunehmender Wucht eine Art Gegenbewegung. Das Mittel der Wahl: Schwarzer Humor. Und der ist hier nicht nur erlaubt, sondern auch ausdrücklich gewünscht!

Humor als Ventil gegen Panik

Denn auch Angstforscher Borwin Bandelow empfiehlt im Umgang mit dem Coronavirus Humor, statt Panik: „Immer wenn eine große Gefahr droht, fangen die Menschen an, Witze darüber zu machen. Das ist ein gutes Ventil, gerade bei Panik. Dadurch wird einem die Angst ein Stück weit genommen und relativiert“, sagte der Göttinger Psychologe und Autor von „Das Angstbuch“ im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Und tatsächlich scheint ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Deutschen nun darin das eigene Corona-Gegenmittel gefunden zu haben - wenn auch nicht zur Bekämpfung der Viren, dann immerhin zur Bekämpfung der Angst.

Corona-Thematik mit erfrischend kindlicher Naivität

Und was ist mit Kindern und Jugendlichen? Die behandeln die Corona-Thematik mit einer erfrischend kindlichen Naivität. Auf der Teenie-Plattform „TikTok“ ist Corona längst zum Trend und damit zum populärsten aller Schulhofthemen geworden, denn: „It’s Corona Time“.

Kaum ein Hustenanfall oder Nieser, der nicht leicht spöttisch von der knappen Frage: „Coronavirus?“ begleitet wird. Unter dem gleichnamigen Hashtag sowie dem Hashtag „Coronavirus“ findet man im Teenie-Netzwerk allerlei Schrulliges rund um Corona-Hygiene und -Hysterie.

Und: Hat sich eigentlich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wo die Atemschutzmasken produziert werden? Noch nicht - böser Fehler:

Auch spielerische Ansätze im Umgang mit dem „Virus“ sind gefragt, warum nicht mal die Corona-Pinata durchs Festzelt jagen. Irgendwie muss dem Virus doch beizukommen sein:

Oder einfach drauf tanzen? Die vermeintlich wichtigsten Corona-Regeln tänzerisch umgesetzt:

Und wenn gar nichts mehr hilft? Dann rette sich wer kann:

Kleine Randnotiz für Skeptiker: Auch für all jene, die sich ernsthaft zum Coronavirus informieren wollen, hält die Videoplattform an prominenter Stelle Informationen bereit. Hinter dem Banner „Covid-19“ liegt ein Infotext, mit dem sich das Netzwerk dem Schutz der TikTok-Community verschreibt: „Wir verpflichten uns, die TikTok-Community zu schützen und ermöglichen den Zugang zu Informationen, um zu gewährleisten, dass Benutzer die richtigen Informationsquellen zu dem neuartigen Coronavirus“ erhalten.

Schwarzer Humor, Sarkasmus und Gesellschaftskritik bei Twitter

Twitter ist ja bekannt dafür, das Verhalten der Gesellschaft kritisch, messerscharf zu analysieren und auch sarkastisch zu kommentieren. Vor allem ist der Twitter-Community aktuell der Trend zu Hamsterkäufen ein Dorn im Auge - und die Nutzung von Atemschutzmasken, die laut Experten ohnehin kaum Sinn ergibt.

Bei Hamsterkäufen besonders im Trend: Nudeln. In vielen Supermärkten sind die Pasta-Regale seit Tagen leergefegt. Satiriker Jan Böhmermann inspirierte das zum Frotzeln auf Twitter: „Bis ein Impfstoff entwickelt ist, sind Nudeln der einzige wirksame Schutz gegen den Coronavirus.“

Auch andere Twitter-User machten sich über den Nudel-Hype lustig. So teilte eine Userin eine virtuelle Corona-Einkaufsliste. Darauf notiert: An erster Stelle Nudeln, Reis, Klopapier und Desinfektionsmittel. Auf Seife, das Mittel, das eigentlich zum Schutz ausreichen würde, verzichtet man lieber.

Doch nicht nur eine mögliche Zeit der Quarantäne, sondern auch die Knappheit von Atemschutzmasken verunsichert die Menschen. Manche Nutzer werden kreativ und entwickeln Alternativen zur handelsüblichen Atemschutzmaske. Wie wär es zum Beispiel mit einem BH als Partnermaske? Wer noch mehr Inspiration braucht: Im Internet finden sich zahlreiche - nicht ernst gemeinte - Anleitungen und Video-Tutorials, wie aus Haushalts-Gegenständen wie Küchenrolle oder auch Unterwäsche ein Mundschutz (nicht sicher!) hergestellt werden kann.

Nicht nur Atemschutzmasken sind knapp, sondern auch Schutzkleidung, Handschuhe und Desinfektionsmittel. Aus China etwa hat uns die Meldung erreicht, dass Kondome ausverkauft sind, weil sich Menschen diese als Handschuh-Ersatz über die Hände stülpen. Der Ärzteverband MEDI Verbund macht auf Twitter auf sarkastische Weise auf das Problem der Ärzte aufmerksam.

Gescherzt wird auch über ein Meme, das auf humorvolle Art den ernsten Sachverhalt verdeutlicht, dass die Angst vor Corona aktuell größer zu sein scheint als vor Kriminalität. Auch das hat einen ernsten Hintergrund. Eine Stigmatisierung von Corona-Infizierten entwickelt sich zu einem gesellschaftlichen Problem.

RND