Geständnis auf dem Computer: „Ich habe einen Menschen getötet“

mlzGerichtsprozess

Nach einem tödlichen Nachbarschaftsdrama in Datteln schweigt der verdächtige Ex-Mieter vor Gericht. Sein mutmaßliches „Geständnis“ wurde beim Prozessauftakt verlesen.

Bochum

, 25.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erstickt, übergossen und verbrannt: Der qualvolle Gewalttod einer Wohnungsmieterin (33) aus Datteln beschäftigt seit Montag das Bochumer Schwurgericht. Der mutmaßliche Täter, ein psychisch kranker Elektroinstallateur, wollte sich zum Auftakt des Sicherungsverfahrens nicht äußern. Dass der 45-Jährige am 14. Oktober 2019 seine Nachbarin in einem Dattelner Wohnhaus zu Tode gewürgt, die Leiche mit Verdünnung übergossen und dann angezündet hat, daran kann es nach der Verlesung einer Geständnis-Datei aber kaum Zweifel mehr geben.

„Ich habe einen Menschen getötet, es tut mir unendlich leid“, heißt es in einer von Richter Josef Große Feldhaus verlesenen Textdatei, die auf dem Computer des Beschuldigten im Keller sichergestellt werden konnte. In zahlreichen weiteren Sätzen rechtfertigt sich der nach eigenen Angaben „schwer depressive“ 45-Jährige dann scheinbar für seine Tat.

„Ich kann nicht mehr schlafen“

Als Erklärung für das offenbar schon länger schwer belastete Verhältnis zu seiner Hausnachbarin heißt in der Textdatei unter anderem wörtlich: „Seit mehr als zwei Jahren tyrannisiert mich meine Nachbarin und flüstert immer die gleichen Sätze. Und wenn ihre beste Freundin bei ihr zu Besuch ist, bekomme ich die doppelte Ladung ab. Ich kann nicht mehr schlafen und habe daher begonnen, ihre Psychospielchen aufzunehmen.“

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Auf der Festplatte des Computers sollen tatsächlich mehrere „Sekundenvideos“ gesichert worden sein, auf denen das spätere Opfer von dem Beschuldigten durch den Türspion bei Betreten ihrer Wohnung gefilmt wurde.

Auch der Ablauf der Tötung wird in der verlesenen Computer-Datei im Detail beschrieben: „Ich habe sie so oft gebeten, aufzuhören, aber sie hörte nicht auf. Ich habe diese Frau aus Wut heraus erdrosselt. Ich habe einfach meinen Arm um ihren Hals gelegt und konnte nicht aufhören, zuzudrücken.“ Zum Schluss der Datei entschuldigt sich der damals lebensmüde Beschuldigte: „Bitte, lieber Gott, verzeih‘ mir, was ich getan habe.“

„Mit Gegenständen überschüttet“

Anwohner hatten am Brandtag in dem Wohnhaus zunächst einen lautstarken Streit bei der Polizei gemeldet. Bei den anschließenden Löscharbeiten in den Wohnungen waren die Rettungskräfte zuerst auf eine am Boden liegende, tote Frau gestoßen. Später war auch der verletzte Beschuldigte entdeckt worden.

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Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann die Frau körperlich angegriffen, mit den Händen am Hals gepackt, sie gewürgt und letztlich erstickt haben. Dann soll der 45-Jährige die Frauenleiche in seiner eigenen Wohnung auf dem Boden abgelegt und „mit Gegenständen überschüttet“ haben. Unter Zuhilfenahme von Verdünnung und Lack als Brandbeschleuniger soll der Frauenleichnam dann in Brand geraten sein.

Keine Gefängnisstrafe

Für das Sicherungsverfahren vor dem Bochumer Schwurgericht sind noch Verhandlungstage bis zum 10. Juni anberaumt. Die Staatsanwaltschaft hat den an einer paranoid-halluzinatorischen Psychose erkrankten Dattelner von vorneherein als schuldunfähig eingestuft.

Klassisch bestraft werden, etwa zu eine Gefängnisstrafe, kann der 45-Jährige also auf gar keinen Fall. Mit Blick auf sein unberechenbares Handeln in wahnhaften Phasen hat die Staatsanwaltschaft den Ex-Mieter jedoch als „gravierende Gefahr für die Allgemeinheit“ eingestuft und seine unbefristete Einweisung in eine forensische Klinik beantragt.

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