Glanzvolle Porträts von der Schönenund dem Biest

Konzerthaus Dortmund

Wenn man sich anschaut, was in Russland gerade passiert und wie Putin Macht da demonstriert, hat sich nicht viel verändert zu der Zeit, in der Zaren blutig regierten. Ausgerechnet Putin-Freund Valery Gergiev zum Abschluss der "Zeitinsel Prokofiew" das Oratorium "Iwan, der Schreckliche" dirigieren zu lassen, hatte am Samstag im Konzerthaus Dortmund etwas Pikantes.

DORTMUND

, 02.11.2014, 12:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bariton Mikhail Petrenko

Bariton Mikhail Petrenko

Es war der Abend mit der Schönen und dem Biest; vorangestellt hatte Gergievs Mariinsky-Orchester die Ballettmusik zu "Cinderella". Und da war der Maestro, seit 1988 Chef des für sein Ballett berühmten Petersburger Hauses, in seinem Element, breitete schwungvoll ein farbiges und in der Mitternachtsszene am Schluss besonders packendes Klangpanorama aus.Filmmusik

"Iwan, der Schreckliche" war als Filmmusik zu einer Kino-Trilogie über den Zaren aus dem 16. Jahrhundert gedacht. Der dritte Teil des Films wurde aber nie gedreht; 1961 entstand die Oratoriumfassung - später ein Ballett.

Mit aller Macht des großartigen Mariinsky-Orchesters und dem ebenso vortrefflichen Opernchor zeigte Gergiev ein am Schluss in seiner Monumentaliät überwältigendes Porträt des Zaren mit der opernreifen Lebensgeschichte.

Nicht nur den starken, kämpferischen, glorifizierten Held brachte Gergiev 70 Minuten packend und mit vielen Zwischentönen auf die Bühne - auch den zweifelnden, zärtlichen und verletzlichen Iwan.

Es war schon besonderer Luxus, Bariton Mikhail Petrenko, der an Welthäusern große Partien singt, nur als Sprecher und für eine Arie zu engagieren. Aber ein Genuss, weil der Sänger auch beim Sprechen spannend deklamiert.

Die drei Abende der "Zeitinsel" haben genau das Saisonmotto des Konzerthauses bestätigt: Wer sich der Klassik, auch Werken des 20. Jahrhunderts stellt, wird mit großen Emotionen belohnt.

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