Klaus und Laura sind seit 24 Jahren glücklich: „Dazu braucht es eine Prise Eifersucht“

mlzGlückliche Ehe

Erst führten Klaus De Cesero und Laura Vanella ein Fernbeziehung. Heute sind sie als gemeinsame Eiscafé-Betreiber fast rund um die Uhr zusammen. Zu ihrem Glücksrezept gehört aber noch mehr.

Ahaus

, 18.12.2018, 13:59 Uhr / Lesedauer: 5 min

Von wem damals die Initiative ausging? „Von ihm“, sagt sie. „Ja sicher“, sagt er. Wir schreiben das Jahr 1994, ein Sonntag im Mai. Klaus De Cesero ist 17 Jahre alt und arbeitet im elterlichen Eiscafé Capri an der Marktstraße in Ahaus.

Laura Vanella ist ein Jahr jünger. Die 16-Jährige hat ihren Probetag als Aushilfe im Eiscafé. Ihre Aufregung ist groß. Bei Klaus De Cesero ist sie noch größer. „Als ich sie hier das erste Mal gesehen habe, hat sie mir sofort gefallen.“

Dabei springt der sprichwörtliche Funke nicht sofort über. „Bei mir schon“, erinnert sich der heute 42-Jährige. „Bei meiner Frau nicht gleich.“ Laura Vanella lacht. „Fast“, sagt die 41-Jährige. „Es hat ein paar Tage gedauert.“

Er lässt nicht locker

Es vergehen einige Monate, bis die beiden das erste Mal gemeinsam ausgehen. „Da sind wir zu einer Veranstaltung nach Stadtlohn gefahren“, sagt er. „Es hat dann doch gedauert, bis sich ein bisschen was bewegte.“

Laura Vanella ist damals ein wenig schüchtern. „Wir konnten uns ja nur hinter der Theke kennenlernen. Es war Distanz da durch die Arbeit. Sein Bruder war hier Chef.“

Dann gab es auch noch die Kollegen. Alles nicht so einfach, um eine junge Liebe am Kochen zu halten. Aber Klaus De Cesero lässt nicht locker. „So fing das alles an“, sagt er.

Die ersten fünf Jahre sehen sich die beiden nur im Sommer. Wenn Klaus De Cesero im Eiscafé Capri in Ahaus arbeitet. Die restliche Zeit des Jahres lebt er in Italien.

„Es war eine Art Sommerbeziehung.“ Einmal reist er zu Weihnachten nach Ahaus, einmal ist sie in Italien. Dazwischen wird telefoniert. „Aber wenig. Weil, das viel gekostet hat.“ Dafür gibt es zwischen den beiden einen eifrigen Briefwechsel. „Das war damals noch üblich.“ In den Vor-Whatsapp-Zeiten.

Anrufe aus der Telefonzelle

Etwa alle zwei Wochen ruft Klaus seine Laura an. Immer aus einer Telefonzelle. Von zu Hause darf er nicht.

„Meine Mama sagte, das ist zu teuer. Das hat ja damals noch richtig Geld gekostet.“ Auslandsgespräch. „Du hattest 20.000 Lire dabei. Wenn die alle waren, waren die alle. Zu Hause konntest du ja ewig telefonieren.“ Die 20.000 Lire reichen für ein wenige Minuten langes Telefonat. Dann ist Feierabend. „Da klackerten die Einheiten in der Telefonzelle nur so runter.“

In der Anfangszeit der Beziehung lebt jeder sein Leben mehr oder weniger weiter. Klaus: „Wir wussten nicht, ob unsere Beziehung überhaupt funktioniert. Ist es was Ernstes? Ist es nichts Ernstes?“

Dann kommt es, dass Klaus De Cesero in Ahaus bleiben kann, das ganze Jahr über. Das stabilisiert die Beziehung ungemein.

Schwierige Entscheidung

Dass sie stabil ist, zeigt die erste schwierige Entscheidung, die Klaus und Laura im Jahr 2000 treffen. Das Paar muss Ahaus verlassen. Der Eltern wegen. „Ich wollte eigentlich hierbleiben“, erklärt Klaus. „Sie wollte nach Italien.“

So kommt es. Laura fährt nach Italien zu ihren Eltern. Vorerst ohne Klaus, der weiter im Eiscafé arbeitet. Eigentlich ist geplant, dass sie zurückkommt. Doch es kommt anders.

Laura bleibt im Süden bei ihren Eltern. Ein Jahr lang wird wieder eine Fernbeziehung geführt. Dann verlässt Lauras Bruder ebenfalls Ahaus Richtung Italien. Für Klaus steht fest: „Dann komme ich mit nach Italien.“ Ganz allein hält er es in Ahaus nicht mehr aus.

Dadurch ist er zwar näher an Laura, aber trotzdem noch 300 Kilometer von ihr entfernt. Er wohnt bei seinen Eltern in Longarone in den Dolomiten, sie bei ihren Eltern in Forli an der Adria.

Das Paar sieht sich nur am Wochenende. „Aber auch nicht jedes“, erinnert sie sich. Zu der Zeit ist Laura 23, Klaus 24. „Die ersten Jahre haben wir überwiegend eine Fernbeziehung geführt“, sagt er. Die Arbeit hält sie auseinander.

Klaus De Cesero arbeitet in den Dolomiten als CNC-Techniker in der damals drittgrößten Brillenfabrik der Welt. Nach einem Jahr schafft es Klaus, seine Angebetete, die in dieser Zeit in einem Bäckerladen arbeitet, in den Norden zu holen. „Sie konnte bei uns im Betrieb anfangen.“

Ernste Gespräche

2003 heiraten Klaus De Cesero und Laura Vanella. 2004 kommt ihre Tochter zur Welt, sie kaufen ein Eigenheim, werden heimisch. Die Richtung stimmt. Der nächste Spurwechsel kommt 2009.

Die Familie macht in Ahaus Urlaub. Klaus’ Vater Ugo De Cesero, der mit seiner Ehefrau Rosy das Eiscafé Ende der 50er-Jahre auf die Beine gestellt hat, geht es gesundheitlich nicht so gut.

Klaus erzählt Laura, dass seine Schwester die Eisdiele verkaufen will. Ihre Reaktion: Sie fragt ihn, ob sie beide das Eiscafé Capri nicht übernehmen sollen. „Er hat gar nicht so richtig darauf reagiert. Er dachte wohl, ich mache Spaß.“

Macht sie aber nicht. Die Gespräche werden ernster. Es geht darum, was dieser gemeinsame Schritt für die Familie bedeutet.

Wollen sie das überhaupt? Beide haben in Italien einen festen Job. Ein Haus. Eine Tochter. Aber finanziell sind sie oft am Limit. Der Verdienst ist nicht so gut wie in Deutschland.

Rückkehr nach Deutschland

Wäre es nicht doch besser, nach Ahaus zurückzukehren? Beide wissen, dass das Eiscafé Capri funktioniert. Beiden hat die Arbeit dort immer Spaß gemacht. Beide haben sich dort kennengelernt. Also: warum nicht?

Klaus und Laura sind jung. Sie trauen sich das zu. Gemeinsam. „Wir entscheiden immer gemeinsam“, sagt Klaus De Cesero heute. Wir diskutieren alles aus. Meine Frau glaubt immer, sie hat recht“, sagt er. „Er glaubt das auch, deshalb funktioniert das so gut“, sagt sie.

Zu 100 Prozent stehen beide 2010 hinter der gemeinsamen Entscheidung. Sie kehren nach Deutschland zurück.

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Heute dreht sich ihr Leben um das Eiscafé in der Markstraße. 24 Stunden am Tag. Sind sie nicht im Geschäft, wird zu Hause der Papierkram erledigt. Zusammen arbeiten, zusammen leben. „Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht für jeden etwas ist“, sagt Laura Vanella. „Für uns ist das ein Vorteil, weil wir, was die Arbeit angeht, die gleichen Probleme haben.“

Klar kracht es auch mal zwischen dem Italiener und der Deutsch-Italienerin. „Wenn wir uns streiten, dann auf der Arbeit“, sagt sie. „Da ist es ganz gut, dass die Gäste nicht immer alles verstehen.“

Denn gestritten wird auf italienisch. Dabei streiten sich die beiden nicht oft. „Aber wenn, dann richtig“, sagt er. „Dann fliegen auch mal die Fetzen“, sagt sie. Dabei geht es meist um Kleinigkeiten. „Sie sagt mir was. Ich sage ihr was. Und wir beide werden bockig.“

„Nicht nachtragend sein“

Laura nennt ein Beispiel: „Wenn sich ein Kunde gerade über seinen Fruchtbecher beschwert. Dann wird er sauer und will wissen, was damit nicht in Ordnung war. Ich sage: Klaus, sei lieb und nicht so aufbrausend. Ich versuche, ihn ein bisschen zu erden.“

Bei Laura fließen dann ab und zu auch ein paar Tränen. Wenn sie sich später in den Arm nehmen, ist es wieder gut. „Wir sind nicht den ganzen Tag aufeinander sauer“, sagt Laura, Klaus nickt. „Verzeihen“, sagt der 42-Jährige. „Nicht nachtragend sein.“

Vertrauen gehört ebenfalls dazu. Die beiden gehen nicht ganz so oft gemeinsam los. Klaus De Cesero ist kein Partylöwe. „Nie gewesen“, sagt sie über ihn. „Ich bin nicht so ein Discotyp. Sitzen. Quatschen. Essen. Trinken. Das mache ich lieber“, sagt er über sich.

Sie ist schon mehr der Partytyp. „Auf jeden Fall“, sagt er über sie. „Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft er mit mir auf einer Party war“, sagt sie über ihn. Er lässt ihr alle Freiheiten. Sie ihm ebenso.

Freiheiten lassen

„Ich muss mich nicht rechtfertigen, wenn ich mit meinen Mädels irgendwo hin fahren möchte. Es gibt ja Paare, wo einer dem anderen sagt: Alleine fährst du nirgendwo hin. Das gibt es bei uns nicht“, erklärt die 41-Jährige. „Den ganzen Tag zusammen sein und dann keine Freiheiten haben, das geht nicht“, sagt der 42-Jährige.

Klaus De Cesero und Laura Vanella sind seit 24 Jahren zusammen und seit 15 Jahren verheiratet. Gibt es ein Rezept für eine glückliche Ehe? Sicher viele. Laura Vanella nennt auf Anhieb eines: „Über alles reden. Nichts totschweigen. Wenn mich stört, dass er heute an seinem Hemd die Ärmel umgeschlagen hat, dann sage ich ihm das.“ Das kann Klaus bestätigen. „Wir sprechen über alles“, sagt er. „Wie wir leben, wofür wir unser Geld ausgeben.“

Eine ganz besondere Zutat

Mit den Jahren denken die beiden nicht immer nur ans Geschäft, sondern auch an sich. 2012 flogen sie gemeinsam in den Urlaub. Zum ersten Mal nur sie beide. Auf den Nachwuchs passte Lauras Mutter auf. Ein wunderschöner Urlaub. „Das hat unserer Ehe sehr gut getan“, sagt Laura Vanella.

Eisbäcker Klaus De Cesero arbeitet den ganzen Tag mit den verschiedensten Zutaten. Für seine Ehe nutzt er eine ganz besondere: „Eine Prise Eifersucht ist gut. Aber nur eine Prise. Zu viel macht einen krank.“

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