Goethes "Iphigenie auf Tauris"

Westfälisches Landestheater

CASTROP-RAUXEL Arme Iphigenie. Was tun? Ihren Beschützer, den König belügen? Oder den geplanten Raub der Götterstatue verraten und ihren Bruder ans Messer liefern? Sie wählt die Wahrheit, baut auf den Großmut des Königs und gewinnt.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 03.04.2011, 17:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Andreas Wobig (Thoas, König der Taurier) mit Sophie Schmidt (Iphigenie) im WLT.

Andreas Wobig (Thoas, König der Taurier) mit Sophie Schmidt (Iphigenie) im WLT.

"Iphigenie auf Tauris" gilt als Goethes erstes Drama, das antikisierenden Sagenstoff mit Ideen und Menschenbild des Humanismus vereint. Iphigenie als Prototyp des wahren, klaren, aufrechten Menschen, der an die Güte seines Menschenbruders appelliert. Schön und gut. Das ist eine zeitlose Botschaft, kann aber nicht recht erklären, warum das Westfälische Landestheater die Iphigenie auf den Spielplan nahm.Optische Modernismen

Zumal Ralf Ebelings Inszenierung (Premiere war Samstag) keine eigene Lesart bietet, sondern nur optische Modernismen. Merksätze per Anzeigetafel: "Ein unnütz Leben ist ein früher Tod". Orest (Roni Merza) und Pylades (Guido Thurk) tragen Seenotwesten, der König Schlabber-Trench und Stiefel. Statt Schwertern eine Kalaschnikow. Die Bühne (Ausstattung: Jeremias Vondrlik) ist eine mehr hinderliche als funktionale Konstruktion: Seesteg auf Ölfassern, schräge grüne Matten, Stahlträger wie Panzersperren, hinten Göttin Diana auf hohem Podest.Fluch der Götter

Darauf das Spiel um den Fluch der Götter, um archaische Riten versus Menschlichkeit. Was hier hinter visuellen Verblendungen bestaunt werden darf, ist die ziselierte Sprache unseres Dichterfürsten. Sophie Schmidt (Iphigenie), Andreas Wobig (König Thoas), Bülent Özdil (Arkas) und die oben Genannten bringen sie lebendig zum Klingen. 

 

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