Grafikmappe ist die erste Flechtheim-Entdeckung

Museum für Kunst und Kulturgeschichte

DORTMUND. Ein Glücksfall ist die Flechtheim-Internetseite der 15 Museen für die Provenienzforschung des MKK, weil sie beim Aufspüren verschollener Kunstwerke hilft. Kunsthistorikerin Dr. Ulrike Gärtner kann schon die erste Entdeckung melden: Eine Grafikmappe des Dortmunder Künstlers Bernhard Hoetger ist im Bestand des Kulturhistorischen Museums Rostock entdeckt worden.

von Von Tilman Abegg

, 14.10.2013, 19:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der "Götz von Berlichingen" von Lovis Corinth ist eines der Flechtheim-Bilder des MKK.

Der "Götz von Berlichingen" von Lovis Corinth ist eines der Flechtheim-Bilder des MKK.

Bisher wusste Gärtner nur, dass das MKK diese Mappe zusammen mit elf weiteren Grafikmappen anderer Künstler zwischen 1919 und 1929 von Flechtheim gekauft hat.

Die Mappe wurde 1937 zusammen mit den anderen über Flechtheim erworbenen Werken von den Nazis als Entartete Kunst bewertet und beschlagnahmt.Fotos existierten nicht Weil keine Fotos von den Grafiken in dieser Mappe existierten, wusste das MKK bisher nicht einmal, wie diese Werke des bekannten Künstlers überhaupt aussehen. Inzwischen schickte Rostock Fotos, und laut Gärtner ist deren Zugehörigkeit zur MKK-Sammlung eindeutig, doch ob und wann die Mappe nach Dortmund kommt, ist noch unklar.

Forschung kommt Besuchern zugute Die Flechtheim-Forschung der Kunsthistorikerin Gärtner kommt auch den Dortmunder Besuchern zugute: Zehn Gemälde und Skulpturen der ständigen Sammlung konnte Gärtner nun um viele wichtige Informationen ergänzen, die nun auf laminierten Blättern direkt neben den Werken über Werk und Künstler, Vorbesitzer und Handelsgeschichte aufklären. Und interessante Details verraten: Wie zum Beispiel über das Bild "Das Ruhrtal bei Herdecke" von Christian Rohlfs von 1902, das keine Signatur des Künstlers trägt. Gärtner fand ein altes Foto, das beweist, dass das Bild vor der Beschlagnahmung die Signatur "CR" trug. Die Vermutung der Expertin: Auf der Suche nach Einnahmequellen haben die Nazis die Signatur entfernt, um es als französischen Impressionismus teurer verkaufen zu können.

Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 1-3, Di/Mi 11-18 Uhr, Do/Fr 11-20 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.