Gruppe S.: Facebook-Kontakte der Terrorzelle führen zur AfD

Rechtsextremismus

Die Mitglieder der wohl rechtsterroristischen Gruppe S. bildeten ein Netzwerk aus kruden Verschwörungstheorien und völkischen Mordfantasien. Kontakte auf Facebook dürften der AfD nicht gefallen.

Berlin

von Jörg Köpke

, 18.02.2020, 07:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einen Tag nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen rechten Terrorzelle Gruppe S. sind die ersten Festgenommenen in Karlsruhe zu Haftrichtern des Bundesgerichtshofs (BGH) gebracht worden.

Einen Tag nach der Zerschlagung einer mutmaßlichen rechten Terrorzelle Gruppe S. sind die ersten Festgenommenen in Karlsruhe zu Haftrichtern des Bundesgerichtshofs (BGH) gebracht worden. © dpa

Sie träumen von Odin, Walhall und dem Großdeutschen Reich: Der entscheidende Hinweis zur Auflösung der mutmaßlich rechtsterroristischen Gruppe S. stammte von einem Hinweisgeber des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg. Das erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Ermittlerkreisen.

Nach RND-Informationen gab ein Mitglied des fünfköpfigen „harten Kerns“ der Gruppe wichtige Details an die Polizei weiter. Diese führten letztlich zur Zerschlagung der bewaffneten, rechten Zelle.

Auch ein Verwaltungsbeamter der Polizei sitzt in U-Haft

Nach bundesweiten Razzien gegen die mutmaßliche Terrorgruppe hatten Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof (BGH) am Wochenende Haftbefehle gegen zwölf Männer erlassen. Vier mutmaßliche Mitglieder und acht mutmaßliche Unterstützer, darunter ein Verwaltungsbeamter der Polizei Nordrhein-Westfalen, befinden sich seitdem in Untersuchungshaft.

Der Generalbundesanwalt war am Freitag mit Razzien in sechs Bundesländern unter Federführung von Baden-Württemberg gegen die Gruppe vorgegangen. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen sollen Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst haben, um Chaos auszulösen und so die Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik ins Wanken zu bringen. Das Vorhaben sei aber noch nicht näher konkretisiert worden.

Neonazi-“Bürgerwehr“ rückt in den Fokus

Unterdessen sickern immer mehr Einzelheiten zu Mitgliedern der Gruppe durch. Unter den Festgenommenen befinden sich angeblich regionale Anführer der Soldier-of-Odins-Abspaltung Vikings Security Germania, einer deutschlandweit agierenden Neonazi-„Bürgerwehr“, die sich in Divisionen aufteilt.

Steffen B. stammte Angaben linker Recherchenetzwerke zufolge aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt. Bei ihm fanden Ermittler eine selbst gebaute Slam Gun, eine großkalibrige, selbst gebaute Waffe, wie sie auch der Halle-Attentäter Stephan B. verwendet hatte. Steffen B. teilte auf Facebook Artikel wie „Neonazis rüsten sich mit Kampfsport für den Tag X“.

Facebook-Kontakte liefern wertvolle Hinweise

Steffen B. nahm den Recherchen zufolge zusammen mit dem Gruppenmitglied Stefan K. aus Coswig (Sachsen-Anhalt) an einem neonazistischen Fackelmarsch der sogenannten „Bürgerinitiative Magdeburg“ teil. Beide posierten auf Facebook auf mittlerweile gelöschten Fotos in Kutten der „Vikings Security“ bei einem Rundgang durch Schönebeck am 28. April 2019. Die Facebook-Präsenz der Vikings Security Germania Division Sachen Anhalt wurde inzwischen gelöscht. Steffen B. schrieb auf Facebook, es gehe um „Schutz, Ordnung und Sicherheit für Frauen, Kinder und Alte!“. K. kündigte dafür seine Unterstützung an.

Die Mitglieder und Unterstützer der Gruppe S. rekrutierten sich offenbar aus dem Umfeld rechter Zusammenschlüsse wie dem Freikorps Heimatschutz und dem Freikorps Deutschland. Werner S., Namensgeber der Gruppe, schrieb auf Facebook unter dem Alias-Namen „Werner Schmidt“. Ihm wird die Gründung der rechtsterroristischen Vereinigung vorgeworfen. Unter den 180 Facebook-Freunden des 53-Jährigen aus einer kleinen Gemeinde bei Augsburg soll sich neben zahlreichen Neonazis auch der Name eines Funktionärs des AfD-Kreisverbandes Börde befinden. Die Facebook-Löschung bei einem seiner Freunde kommentierte Werner S. demnach mit den Worten: „hab’s mitbekommen, ein Witz, aber warte noch ein wenig, dann laufen diese Cretinos ohne Hände herum“.

Mehrere AfD-Mitglieder finden sich auf Facebook-Freundesliste

Ein weiterer Festgenommener ist nach RND-Informationen Tony E. aus Niedersachsen. Er tritt auf Facebook unter dem Alias-Namen „UnbeugsamTony Cheguearya“ auf. Zusammen mit Thomas N. aus Nordrhein-Westfalen und Michael B. sollen sie den harten Kern der Gruppe gebildet haben. Tony E. lebte in Brockhöfe bei Lüneburg in Niedersachsen. Nach seiner Hochzeit 2014 nahm er den Nachnamen seiner Frau an. Zuvor hieß er Tony R. und bewegte sich ebenfalls in der rassistischen Bewegung Freikorps Heimatschutz.

In der Selbstbeschreibung des Freikorps Heimatschutz heißt es: „Die Mitglieder dieser Gruppe bereiten sich auf den Tag vor, an dem es zu einem Krieg kommt und es um die Verteidigung unserer Familien und dem Vaterland geht. Die BRD Verwaltung sieht sich dafür ja nicht mehr zuständig.“ Auch in der Facebook-Freundesliste von Tony E. sollen sich mehrere AfD-Mitglieder befinden.

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