Hackerangriff auf Ruhr-Uni: Online-Semester wird zu Problem

mlzCyberkriminalität

Mitten im Online-Semester legen Hacker an der Ruhr-Universität Bochum viele Systeme lahm. Für Studenten ist das auch Wochen später noch ein Problem und das lassen sie die Uni auch spüren.

von Karoline Poll

Bochum

, 18.05.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Hacker-Angriff auf die Ruhr-Uni Bochum vor knapp zwei Wochen stellt Studierende und Lehrende ausgerechnet im Online-Semester weiter vor Probleme. Am 7. Mai hatten Unbekannte das Netzwerk der Universität angegriffen und viele Systeme lahm gelegt.

Das Ausmaß des Angriffs ist bis heute nicht bekannt. Die Ruhr-Uni möchte erst den vollständigen Bericht über die Attacke kommunizieren. In der vergangenen Woche wurden Studenten und Ehemalige dazu aufgefordert, die Passwörter ihrer E-Mail-Adressen zu ändern.

Nun soll die IT-Infrastruktur nach und nach wieder hochgefahren werden – das aber könne laut RUB Wochen dauern. Einen hundertprozentigen Schutz gegen Cyber-Angriffe gebe es nicht. Aber der Schaden sei an der Ruhr-Uni begrenzt, heißt es.

Hacker-Angriff auf die Ruhr-Uni Bochum: Student nennt Krisenmanagement „miserabel“

„Die Informationslage der RUB ist eine Frechheit“, sagt ein 25-jähriger Student, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Erst eine Woche nach dem Angriff wurden wir dazu aufgefordert, unsere Passwörter zu ändern. Warum überhaupt, wenn angeblich nur interne Systeme und Lehrstuhldaten gehackt wurden?“

Er hält das Online-Semester momentan für nicht durchführbar. Ein reguläres Studium sei nicht möglich. „Aber die Abgabetermine und die Klausuren finden nicht später statt – es ist einfach ein miserables Krisenmanagement.“

Laura (22) sieht das Online-Semester ebenfalls gefährdet. „Die Uni hat zwar versucht, eine passable Lösung zu finden. Ob eine E-Mail zwischen Dozent und Studenten ankommt, ist aber reine Glückssache.“ In einigen ihrer Kurse würden Video-Konferenzen genutzt. „Aber wer nicht das beste Internet hat, bei dem bricht das auch schnell zusammen.“

Rektor: „Ruhr-Uni erlebt die schlimmste Krise ihrer Geschichte“

Rektor Axel Schölmerich wendet sich in einem offenen Brief an Studenten und Beschäftigte der Ruhr-Universität. „Erst Corona und dann auch noch eine Cyberattacke – die Ruhr-Uni durchlebt gerade die schlimmste Krise ihrer Geschichte.“

Er blickt allerdings deutlich entspannter auf das Online-Semester: „Eine interne Befragung der Lehrenden bestätigt überwiegend positive Erfahrungen mit dem digitalen Sommersemester.“ Es gebe zwar Schwierigkeiten durch eine Überlastung der Systeme und durch den eingeschränkten Mailverkehr, aber die Uni werde den Lehrbetrieb wie geplant fortführen können.

Aus dem Zig geworfen

Auch abseits der Uni-Veranstaltungen hat der Hacker-Angriff übrigens für Unruhe gesorgt. So berichtet Lehramtsstudentin Laura, dass sie bereits einmal aus einem Zug geschmissen wurde, obwohl sie wegen der Technik-Probleme an ihrer Uni keine Chance gehabt habe, das Semesterticket überhaupt zu drucken.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) will Verkehrsunternehmen über die Probleme informiert haben – eine Anfrage der WAZ ließ er unbeantwortet. Zumindest dieses Problem scheint aber vorerst gelöst: Am Montag meldetet die Ruhr-Uni, dass das Drucken des Tickers wieder möglich sei.

Dieser Artikel erschien zunächst bei der WAZ.

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