Hauptsache nachhaltig

BOCHUM Nachhaltig, so soll sie sein, die Kulturhauptstadt 2010. Für das Ruhrgebiet und auch für Europa, was als Zielsetzung ambitioniert zu nennen ist. Soll es Massenkultur richten, oder doch lieber Hochkultur? So fragte am Dienstagabend das Bochumer Haus der Geschichte des Ruhrgebiets und bekam auf einer Podiumsdiskussion von prominenter Seite eine klare Antwort: nämlich keine.

von Von Benjamin Legrand

, 30.01.2008, 17:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
WDR-Moderatorin und 2010 Direktorin für "Stadt und Kulturen" Asli Sevindim,

WDR-Moderatorin und 2010 Direktorin für "Stadt und Kulturen" Asli Sevindim,

"Warum sollte Masse nicht auch Klasse haben", verwarf Asli Sevindim die Frage. Norbert Lammert assistierte: "Der Breitensport braucht den Leistungssport. Und der Leistungssport braucht den Breitensport." Die WDR-Moderatorin und Direktorin des 2010-Themenfeldes "Stadt der Kulturen" sowie der Bundestagspräsident und Aufsichtsrat der 2010 gaben Einblicke in den Prozess und die Diskussionen der Macher der Kulturhauptstadt.

Migration und demographischer Wandel wenig präsent

Ihr Schluss: die Entwicklung der Bevölkerung muss eine große Rolle spielen. "Die Aspekte demografischer Wandel und Migration sind wenig präsent", erschrak Sevindim nach Gesprächen mit Kulturschaffenden, dabei hätten im Jahr 2010 rund 50 Prozent der Kinder in der Region einen Migrationshintergrund. Um vor Ort nachhaltig zu wirken, müssten lauf Sevindim neue Wege gegangen werden. Als Beispiel gelte die Philharmonie Essen. Die hatte mit einen türkischen Popsänger Massenkultur auf die Bühne geladen, um Hemmschwellen zur Hochkultur abzubauen. Auch Lammert betonte: "Das Ruhrgebiet ist eine durch Zuwanderung entstandene Region". Das Spannungsverhältnis Integration und Ausgrenzung sei eine Herausforderung. Die Frage nach verschiedenen Identitäten sei eine spannende Frage, der sich Künstler widmen sollten.

Süffisant freute sich der Bundestagspräsident über den von der EU losgetretenen Konflikt um die Namensnennung. Darf "Essen 2010" auch "Ruhr 2010" heißen? Der Streit bringe Klarheit, vor allem der Region selbst: "Er hat nachhaltigere Wirkung als manches Projekt."

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