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Alte Dorfwindmühle ist kein leichtes Erbe

Sanierung

HEEK 5225 Reichstaker haben sich 1807 die Heeker Ortsvorsteher zusammengepumpt, um eine dorfeigene Windmühle zu bauen. Geldgeber, die mit ihrem gesamten Vermögen dafür hafteten, kamen auch aus Rheine und Wettringen.

von Von Christiane Nitsche

, 17.11.2009

Vielleicht hatten sie sich einfach übernommen, damals: Stolze 5225 Reichstaler liehen sich die Heeker Ortsvorsteher Henrich Anton Stange und Arnold Epping zusammen mit den „Gemeinheitsmännern“ Hermann Bömer, Joan Bernard Nacke, Joan Henrich Lammers und Joan Herman van Wüllen für den Bau einer dorfeigenen Windmühle – zusammengepumpt beim Heeker Pastor, Eper Vikar und Kaufleuten aus Wettringen und Rheine. Sie alle hafteten mit ihrem gesamten Vermögen für die Investition. Mancher Gläubiger wurde mehrfach um Geld gebeten, und auch mit den Rückzahlungen hatten die Heeker Probleme, wie die seinerzeit angefertigten notariell beglaubigten Schuldverschreibungen dokumentieren, die sich heute im Gemeindearchiv befinden.

So kam es, dass die Heeker die Idee einer dauerhaften Verpachtung aufgaben und die 1807 fertiggestellte Mühle im Mai 1845 an den Müller Daniel Joseph Flück aus Stadtlohn verkauften. Kaufpreis: 3.005 Reichstaler. Lisa Flüeck und ihr Lebensgefährte können heute über solche Summen nur müde lächeln. Allein 16.000 Euro würde es kosten, die Mühle einzurüsten, um die Fassade zu renovieren, schätzt Ludger Boom. Prognostizierte Gesamtkosten für die Maßnahme: 80.000 Euro. „Und davon müssten wir alleine etwa 25.000 Euro zahlen.“Es ist kein leichtes Erbe, das die Ehefrau des vor zehn Jahren verstorbenen, letzten Müllers der Heeker Kornwindmühle angetreten hat. Zeitweise muss sie es wie einen Mühlstein um den Hals empfunden haben. Das mittlerweile über 200 Jahre alte Bauwerk droht, zu zerfallen.

Von allen Seiten frisst sich der Efeu durch den Putz in das Ziegelrund, zum Teil bereits bis zu 30 Zentimeter tief. In den beiden oberen Geschossen, die nur über eine steile Holzstiege erreichbar sind, zeigen sich deutlich Feuchtigkeitsschäden. „Wir haben früher schon einmal einen Antrag beim Denkmalamt gestellt für eine Restaurierung von außen“, erklärt Lisa Flüeck. „Damals hätten wir schon 20.000 D-Mark selbst zahlen müssen.“

Dennoch: „Irgendwann habe ich gesagt, ich fange mal an“, erinnert sich Boom. Der Aufwand, den er in Eigenleistung betrieben hat, wird vor allem augenfällig, wenn man die beiden unteren Geschosse mit den oberen vergleicht: Die Böden wurden abgeschliffen und neu versiegelt, Eisenträger entrostet, neue Butzenscheiben in die Fenster eingesetzt, die Innenwände abgeklopft und versiegelt. „Ich habe hier allein 150 Liter Grundierung aufgebracht“, erzählt Boom. Die Arbeitsstunden, die er investiert hat, kann er gar nicht beziffern. Nun hofft Boom, dass er mit der dringend notwendigen Restaurierung der Außenfassade nicht allein gelassen wird. „Es wäre einfach schade um die Mühle“, pflichtet Flüeck ihm bei.

Die Windmühle hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Ursprünglich gebaut, um der Gemeinde eine gewisse Unabhängigkeit zu wahren, wurde sie schnell zur finanziellen Belastung. Im Privatbesitz blieb sie allerdings bis 1973 in Betrieb, wenn auch zuletzt nicht mehr mit Windflügeln, sondern elektrisch. Bereits auf einer Aufnahme von 1950 ist nur noch der Rumpf zu sehen. Von 1907 existiert noch ein Bild mit Windflügeln. Das Baujahr ist eindrucksvoll belegt: Der Grundstein, der bei ersten Renovierungsarbeiten im Eingang gefunden wurde, trägt die Zahl 1807. Mit „Gnädigster ErLaubnis seiner k.k. Hoheit Joachim, des GrohsHerzog von Berg“ nämlich war die Mühle gebaut worden.

Der Antrieb mit den Übertragungsrädern ist noch im Dachgeschoss vorhanden. Die eiserne Aufhängevorrichtung zum Schleifen der Mühlsteine schmückt heute den Eingangsbereich, ebenso wie einer der alten Mühlsteine. Den Grundstein haben Flüeck und Boom im Zuge der Renovierung im Erdgeschoss von Mühlenrund und Anbau in die Innenwand eingelassen, wo er auch von den Brautpaaren bewundert werden kann, die sich dank einer Genehmigung des Standesamts seit August 2008 im liebevoll hergerichteten, historischen Ambiente trauen lassen dürfen.

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