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Versicherungsverein für Rindvieh 1855 gegründet

Kein Bedarf mehr

Eine Kuh war einst so etwas wie eine Lebensversicherung - wenn sie denn am Leben blieb. Ging das Tier aber ein, konnte das auch seinen Halter an den Rand der Existenz bringen.

Herbern

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 03.11.2012
Versicherungsverein für Rindvieh 1855 gegründet

Die Kühe verabschieden sich in diesen Tagen von der Weide - auch in Herbern.

Um es nicht so weit kommen zu lassen, haben die Vorfahren vor fast auf den Tag genau 167 Jahren Vorsorge getroffen und den heute schon fast vergessenen Rindviehversicherungsverein gegründet.

"Horn-Vieh-Versicherungsgesellschaft Herbern" ist der offizielle Name des Vereins, an den Josef Farwick in seinem 1995 erschienen heimatgeschichtlichen Buch "Herbern. Geschichte eines Dorfes im Münsterland" erinnert. Passend zum jahreszeitlich bedingten Abtrieb der Rinder von den Weiden blättern wir in den Annalen:

Tierseuchenkasse folgte Rindviehversicherungsverein Die Unterschrift von Jodocus Fressel, seinerzeit Amtsmann in Herbern, steht unter dem Statut des Rindviehversicherungsvereins. Daneben haben am 2. November 1855 die Gründungsmitglieder unterschrieben: H. Meinke, Jos. Ueter, A. Diekamp, H. Miggelt, B. Walter, A. Sprenger und Lenkenhoff.

Wann genau sich der ehrenamtlich organisierte Verein wieder aufgelöst hat, steht nicht fest. Fest steht aber, dass es seiner Dienste inzwischen nicht mehr bedarf, wie der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ortsvereins Herbern, Gerhard Reimann, weiß. Heute springt im Schadensfall die Tierseuchenkasse der Landwirtschaftskammer NRW ein, die aber nur den finanziellen Ausgleich für den Schlachtwert des erkrankten Tieres zahlt. Weitere Verdienstausfälle deckt die Ertragsschadensversicherung ab.Mehr Schweinehalter

Die Professionalisierung der Versicherung ging einher mit der Spezialisierung der Landwirtschaft: Längst sind es nicht mehr ein oder zwei Kühe, die der einzelne Landwirt hält, sondern gleich zig, mitunter mehr als hundert. Die kleinen Mischbetriebe aus der Gründungszeit des Rindviehversicherungsvereins ließen sich heute nicht mehr rentabel führen, so Reimann.

Viele Herberner Landwirte hätten sich - wie für das Münsterland typisch - auf Schweinehaltung spezialisiert. Vier Betriebe setzten ausschließlich auf Milchviehwirtschaft.

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