„His House“ bei Netflix: Geister-Horror sorgt für Gänsehaut

mlzFilmkritik

„His House“ auf Netflix mischt Horror mit einer Agenda um Flucht und Sozialpolitik. Regisseur Remi Weekes schockt den Zuschauer auf mehreren Ebenen.

Dortmund

, 05.11.2020, 16:47 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mit „Get Out“ hat US-Filmemacher Jordan Peele einen neuen Ton ins Horrorgenre gebracht, als er Grusel und Rassismus zu einer Parabel über die Ausbeutung der Afroamerikaner verquirlte. Bei Netflix läuft der britische Horrorstreifen „His House“, wo als trojanisches Pferd ebenfalls eine politische Agenda mitreitet.

Die Toten im Wasser

Zum einen bringt Regisseur Remi Weekes die gute alte Geisterbahn in Fahrt, gleichzeitig erzählt er von der trostlosen Lage afrikanischer Flüchtlinge und den Härten der englischen Einwanderungspolitik.

Bol (Sope Dírìsù) und seine Frau Rial (Wunmi Mosaku) haben es aus dem Sudan ins Vereinte Königreich geschafft. Eingestreute Rückblenden zeigen Stationen ihrer Flucht: Schießwütige Milizen, brutale Schleuser, Schiffbruch im Meer, die Toten im Wasser. Bilder, die das Paar noch in England verfolgen.

Als Asylsuchende leben beide erst im Wohnheim, dann bekommen sie ein Haus zugewiesen. Eine abgerockte Bruchbude in einem Problemviertel, immerhin eine feste Bleibe. Keine Partys, keine Freunde, heißt die Ansage der Sozialarbeiter. Als wäre dem Paar nach Feiern zumute.

Beide werden barsch gegängelt und zurechtgewiesen, willkommen in Großbritannien. Die Tristesse ihrer Arme-Leute-Siedlung manifestiert sich in deprimierend schäbigen Bildern, noch sieht der Film nach einem Sozialdrama wie von Ken Loach aus.

Schocks wirkungsvoll gesetzt und dosiert

Im Haus aber manifestiert sich etwas anderes. Schemen, Fratzen, zombiehafte Kreaturen. Bol plagen Albträume, die Szenerie kippt ins Surreale, als der Esstisch im Nebelmeer treibt, umzingelt von Untoten. Bol und Rial haben eine Schuld zu begleichen, Geister eines Hexenmeisters fordern sie ein.

Inszenatorisch sind die Schocks wirkungsvoll gesetzt und dosiert, eine Prise Voodoo ist im Spiel.

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Eigentlicher Schauplatz des Horrors ist die Psyche der Flüchtlinge, die das erlebte Grauen alleine verarbeiten müssen. Keinen kümmert ihr Trauma, niemand fragt danach, sie sind zu Fällen und Nummern degradiert. Die Kälte dieses Systems ist die zweite Gruselebene des Films. Interessanter Ansatz.

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