Hoffen auf Mordserfolg

CASTROP-RAUXEL "Tannöd" kommt auf die Theaterbühne. Gleich drei Schauspielhäuser bringen die düstere Moritat, die in Buchform alle Rekorde brach, als Drama heraus. Dabei ist die Uraufführung zwar nach Österreich gegangen, dann folgen jedoch das Staatsschauspiel Dresden und als Dritter im Bundes das Westfälische Landestheater (WLT) Castrop-Rauxel.

von Von Bettina Jäger

, 16.01.2008, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Mit „Tannöd“ hatte Andrea Maria Schenkel  einen Bestseller gelandet. Jetzt kommt der Krimi ins Theater.

Mit „Tannöd“ hatte Andrea Maria Schenkel einen Bestseller gelandet. Jetzt kommt der Krimi ins Theater.

"Wir sind kolossal stolz, dass wir das machen können", sagt WLT-Dramaturg Christian Scholze. Die Premiere ist für den 2. November vorgesehen. Scholze ist begeistert von dem ungewöhnlichen Krimi und hofft, dass auch das Bühnenerlebnis eine ungewöhnliche Ästhetik haben wird. "Das Raffinierte an dem Buch ist ja der Perspektivenwechsel", sagt er. Ein Regisseur stehe noch nicht fest. Dessen erste Aufgabe werde jedoch die Entscheidung sein, ob das WLT eine eigene Fassung erstellt oder die Texte aus Innsbruck oder Dresden nachspielt.

Das Landestheater hat viel Erfahrung mit der Dramatisierung von Kriminalromanen - und mit Autoren, die nicht einfach sind. Henning Mankell ("Vor dem Frost") zum Beispiel zögerte. "Er hat dann sehr positiv darauf reagiert, dass wir ein kleines Theater sind, das zu den Menschen hinfährt", erinnert sich Scholze. Ingrid Noll ("Ladylike") dagegen stand der Anfrage aus Castrop sofort positiv gegenüber - genau wie Andrea Maria Schenkel, die gefeierte Autorin von "Tannöd".

Drittes Buch in Arbeit

Schenkel sei gerne bereit, ihr Stück für die Bühne adaptieren zu lassen, bestätigt Hanna Mittelstädt, Verlegerin der Edition Nautilus. Die Autorin habe angesichts von 80 öffentlichen Lesungen im letzten Jahr gar keine Zeit, ihr Buch in ein Theaterstück zu verwandeln. "Sie weiß, wo ihre Stärken liegen", sagt Mittelstädt. Schenkel schreibe lieber an ihrem dritten Buch, will sich aber alle Inszenierungen anschauen.

Zuerst darf sich das Tiroler Landestheater in Innsbruck auf den Besuch der Autorin freuen. "Sie kommt zu unserer Matinee vor der Premiere", erzählt Chefdramaturgin Doris Happl, die das Buch auch in dramatische Form gebracht hat. Sie habe die Autorin als "angenehm und offen" erlebt, die den Theaterleuten "große Freiheit" eingeräumt habe.

Das Tiroler Landestheater bekam die Uraufführung, weil es außergewöhnlich früh angefragt hatte. Regisseurin Maya Fanke kaufte das Buch schon einen Monat nach Erscheinen am Bahnhof. Und direkt nach der Zugfahrt sagte sie - noch auf dem Bahnsteig - zu ihrer Kollegin Happl: "Das ist ein idealer Stoff für die Bühne". Premiere wird am 15. März sein - in einer Fassung für acht Schauspieler, die die Struktur des Buches weitgehend erhält.

Das Staatsschauspiel Dresden, wo die Rechte zur Deutschen Erstaufführung liegen, geht radikaler vor. Nur mit zwei Schauspielern bringt Viktor Tremmel "Tannöd" ab Juni eine Dramatisierung von Esther Rölz auf die Bühne. Er selbst übernimmt alle männlichen Rollen. "Die Krimi-Geschichte ist nur ein Teil des Plots", sagt der 35-Jährige. "Die Psychologie ist das eigentlich interessante."

Tremmel stammt aus Vorarlberg, kennt die Stimmung in einem Dorf: "Jeder will nichts sagen und sagt doch was." Und Doris Happl aus Innsbruck weiß, wie gut die Geschichte auch nach Tirol passt: "Auf dem Dorf ist man den anderen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert."

 

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