Hurrikan "Irma": Mehrere Tote in Florida

Schäden noch unüberschaubar

„Irma“ war wie eine Sintflut - für ganz Florida. Über den größten Teil des US-Bundesstaates ist der Hurrikan hinweggezogen. Das Ausmaß der Schäden ist noch nicht ansatzweise absehbar. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. Auch die Zahl der Toten in der Karibik ist angestiegen.

MIAMI/TEMPA

11.09.2017, 13:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Heftige Sturmböen über Naples, Florida. Fast 4,3 Millionen Haushalte in Florida und dem nördlich angrenzenden Bundesstaat Georgia waren ohne Strom.

Heftige Sturmböen über Naples, Florida. Fast 4,3 Millionen Haushalte in Florida und dem nördlich angrenzenden Bundesstaat Georgia waren ohne Strom.

Mit Urgewalt ist Hurrikan „Irma“ über Florida hinweggezogen und hat schwere Überflutungen mit sich gebracht. Der Sturm riss in vielen Teilen des US-Bundesstaates Dächer von Häusern und kappte Stromleitungen. Es gab Berichte über Plünderungen und Einbrüche. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. 

Nach Angaben des Katastrophenschutzes waren am Montag 5,8 Millionen Haushalte in Florida von der Stromversorgung abgeschnitten - mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Haushalte in dem Bundesstaat.  Nach dem Sturm ist vor dem Aufräumen: Wie groß die Schäden am Ende sein werden, ist noch völlig unklar - es wird aber wohl um viele Milliarden US-Dollar gehen. „Irma“ war so groß, dass sie die gesamte Halbinsel überdeckte. 

Die orangefarbenen Symbole der Karte zeigen den wahrscheinlichen Verlauf des Wirbelsturms, die Symbole in lila zeigen, wo Irma bereits auf Land getroffen ist (Stand: Montagmorgen). Quelle: dpa/ National Hurricane Center

Am Montag richteten sich einmal mehr bange Blicke an die Ostküste Floridas und die weiter nördlich gelegenen Küsten Georgias und South Carolinas. Mittlerweile zum tropischen Sturm herabgestuft, drückte „Irma“ Wassermassen hüfthoch in die Stadt Jacksonville und bedrohte auch Orte wie Savannah oder Charleston. 

Weiter Richtung Georgia

Das Hurrikanzentrum berichtete, „Irma“ werde bis Dienstag mit 30 Kilometern pro Stunde Richtung Georgia ziehen und am Dienstag Alabama erreichen. Dort wird sich der Sturm weiter abschwächen. Über Festland verlieren Hurrikane Energie. Das Hurrikanzentrum stuft den Sturm dann offiziell herunter.

 

US-Medien schilderten aus mehreren Städten an der Ostküste Floridas Überfälle, viele der Täter seien bewaffnet. Die Polizei von Miami meldete 28 Festnahmen von mutmaßlichen Plünderern. Der umliegende Bezirk hatte eine Ausgangssperre bis 07.00 Uhr Ortszeit verhängt. In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17 Jahre alter Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen. 

Straßen werden zu reißenden Flüssen

In Miami wälzten sich Wassermassen durch die Altstadt und das Bankenviertel. Auf Bildern und Videos war zu sehen, wie der Sturm das Wasser in die Stadt drückte und große Straßen zu reißenden Flüssen machte. Auch aus der zentral gelegenen Großstadt Orlando berichteten lokale Medien und Augenzeugen auf Twitter von hüfthohem Wasser. 

Vor „Irmas“ Eintreffen waren mehr als 6,5 Millionen Menschen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen und sich vor dem Sturm in Sicherheit zu bringen. Es war eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der USA.  In 64 der 67 Bezirke Floridas waren insgesamt 573 Notunterkünfte eingerichtet worden. Dort hatten mehr als 155.000 Menschen ausgeharrt. Sie begannen am Montag, Schulen, Kirchen und Sportarenen zu verlassen und sich auf den Weg nach Hause zu machen. 

Auf Sturmfluten vorbereitet

„Irma“ hatte am Sonntag die Südspitze Floridas mit der zweithöchsten Stufe 4 erreicht. Es wurden Böen von bis zu 229 Stundenkilometern gemessen. Der Hurrikan hatte zuvor Kuba und andere Teile der Karibik heimgesucht.  Während „Irma“ an der Atlantikküste für Überschwemmungen sorgte, ging das Wasser an der Golfküste im Westen zunächst eindrucksvoll zurück. Die Meteorologen warnten aber eindringlich, dass das Wasser in einer Welle zurückkommen werde, nachdem das Auge des Wirbelsturms durchgezogen sei.

Die verbliebenen Menschen am Golf hatten sich auf Sturmfluten von bis zu 4,5 Metern Höhe vorbereitet. „Jeder hat einen Plan, bis er einen Schlag ins Gesicht bekommt“, sagte der Bürgermeister von Tampa, einem Zentrum der Golfküste, am Sonntag im Fernsehen. 

Bislang fünf Tote

Der Sender ABC berichtete von fünf Toten, die in Florida bei Autounfällen starben oder tot in ihren Häusern gefunden wurden. Die „New York Times“ schrieb von vier Toten. Die Zahlen könnten noch steigen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Bereits bevor „Irma“ aufs Festland getroffen war, hatte Trump eine Notfall-Deklaration erlassen. Sie ermöglicht Florida finanzielle Hilfen der Bundesregierung. 

„Irma“ hält die Region bereits seit Tagen in Atem. Auf Kuba hat "der Hurikan zehn Menschen in den Tod gerissen. Sieben Menschen seien in der Provinz Havanna ums Leben gekommen, wie der Zivilschutz am Montag mitteilte. Drei weitere Menschen wurden demnach in Matanzas, Ciego de Ávila und Camagüey getötet.  Schwere Schäden gab es auch auf den Jungferninseln, sowie auf Barbuda und Saint-Bartélémy. Auch dort hatte es Tote gegeben,

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, die ebenfalls schwer betroffene Insel Saint-Martin am Dienstag zu besuchen. Bereits am Sonntag (Ortszeit) hatte der niederländische König Willem-Alexander auf der Insel Curacao mit Opfern gesprochen. 

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber, warnte am Montag angesichts von „Irma“ vor verheerenden Folgen auch für Europa. „Das Jahr 2017 zeigt uns auf bitterste Weise, warum die Wissenschaft seit Jahrzehnten vor dem Klima-Chaos warnt: Die Elemente Feuer, Wasser und Luft wenden sich nun gegen uns, weil wir den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen.“ 

von dpa