"Ich mische mich ein in diesem Land"

MÜNSTER In Cannes ist sie schon gewesen. Und vielleicht wird die Schauspielerin Nursel Köse bald auch bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles auftreten. Denn ihr neuer Film "Auf der anderen Seite", den sie am Montag in Münster vorstellte, geht ins Rennen um den Oscar.

von Von Klaus-Peter Heß

, 25.09.2007, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit 17 Jahren verließ sie Anatolien

Mit 17 Jahren verließ sie Anatolien

1988 drehte Nursel Köse, die mit 17 Jahren Anatolien verließ, ihren ersten Film. Knapp 20 Jahre später hält sich ihre Filmografie in Grenzen. Wohl deshalb, weil die Kopftuchgegnerin nicht auf "die Kopftuchrollen im deutschen Film" festgelegt werden will. Dafür kann sie nun mit dem Melodram von Fatih Akin grandios auftrumpfen: als die türkische Prostituierte Yeter in der Bremer Bordellstraße.

Ein Film voller Tabubrüche

Köses Rolle endet nach 40 Minuten. Yeter wird von einem Landsmann erschlagen. Auslöser für ein weiteres Drama, das mit Hanna Schygulla die nächste tolle Darstellerin ins Spiel bringt. Der Film "Auf der anderen Seite" sei voller Tabubrüche, analysiert die energische Künstlerin den Film. "Dabei sehe ich ihn mit verschiedenen Augen. Mal als Türkin, mal als Deutsche. Und jede sieht ihn anders." Doch ihr Standpunkt als deutsche Staatsbürgerin ist eindeutig: "Ich mische mich ein in diesem Land."

Deutschländerin

Unüberhörbar ist Köses Auseinandersetzung mit ihrer Situation als "Deutschländerin", wie sie von den Türken in der Türkei genannt wird. Kurzfristig ging sie noch einmal an den Bosporus, kehrte aber bald zurück. Es hatte sich zu viel verändert.

Engagements in Istanbul

Nursel Köse fliegt zwar wieder regelmäßig nach Istanbul, aber nur, um bei Serien mitzuwirken. "Türkischstämmige Schauspieler sind dort zur Zeit stark gefragt", erzählt sie. "Zum einen, weil wir diszipliniert sind, zum anderen, weil wir durch unsere Art des Schauspiels überzeugen."

Gutes Omen für den Oscar?

Und dann kommt das Gespräch noch einmal auf die Oscar-Chancen. Vor fast exakt einem Jahr war Florian Henckel von Donnersmarck in Münster zu Besuch. Im Februar 2007 hielt der Regisseur die Gold-Trophäe tatsächlich in Händen. Ein gutes Omen? Nursel Köse strahlt. Es wäre zu schön. Und es wäre gerechtfertigt.

"Auf der anderen Seite" läuft ab morgen in den Kinos.

 

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