„Ich war genervt und wütend“: Pflegemutter gesteht, Kleinkind getötet zu haben

Gericht

Vor gut drei Jahren stirbt ein. nicht einmal zwei Jahre altes Kind. Bei der Obduktion stoßen die Rechtsmediziner auf Spuren massiver Gewalt. Nun stand ihre Pflegemutter vor Gericht.

Wuppertal

04.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine 51-jährige Pflegemutter hat am Wuppertaler Landgericht gestanden, ihr 21 Monate altes Pflegekind in Solingen getötet zu haben.

Eine 51-jährige Pflegemutter hat am Wuppertaler Landgericht gestanden, ihr 21 Monate altes Pflegekind in Solingen getötet zu haben. © picture alliance/dpa

Eine 51-Jährige hat gestanden, ihr 21 Monate altes Pflegekind Naelys in Solingen getötet zu haben. Die Pflegemutter steht seit Dienstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Wuppertaler Landgericht.

Das Mädchen sei eine schlechte Esserin gewesen und habe am Tattag mit dem Löffel herumgeschlagen, sagte die Angeklagte. Sie habe dem Mädchen den Löffel weggenommen und ihm eine Ohrfeige gegeben. Das Kind sei vom Stuhl gefallen und habe an Schläfe und Lippe geblutet. Dann sei sie im Kinderzimmer über die Kleine gestolpert.

Pflegemutter stolpert über Kleinkind und rastet aus

Da sei sie ausgerastet und habe das Kind geschlagen, gab die Angeklagte zu. Zur Tatzeit sei sie völlig überfordert gewesen, weil ihr Vater zum Pflegefall geworden sei und ihr die vernachlässigte Verwaltung von 44 Wohnungen hinterlassen habe. Von da an sei sie keine gute Pflegemutter mehr gewesen.

„Ich war genervt und wütend und panisch“, sagte sie. Als Naelys aufgehört habe zu röcheln, habe sie ihr mit einer Herzdruckmassage zu helfen versucht und dabei „rot“ gesehen. „Ich habe gekniet und mit der Faust auf den Oberkörper geschlagen.“

Später habe sie dann mit dem Handballen die Herzdruckmassage gemacht. „Ich hatte Angst noch mehr kaputt zu machen. Ich wusste nicht mehr, wie es richtig geht.“ Der Aussage war eine Verständigung vorangegangen: Das Gericht hatte der Frau bei einem umfassenden Geständnis eine Haftstrafe von fünf bis sieben Jahren in Aussicht gestellt.

Naelys erleidet Herzriss und stirbt daran

Das kleine Mädchen hatte unter anderem einen Herzriss erlitten. Dieser könne durch die Herzdruckmassage beim Versuch der Rettung des Kindes entstanden sein, hatte der Verteidiger argumentiert und angeregt, den Tatvorwurf von Körperverletzung mit Todesfolge auf fahrlässige Tötung und eine Strafe unter vier Jahren Haft zu mildern.

Das hatten die Staatsanwaltschaft und das Gericht abgelehnt: Das Strafmaß müsse eher zwischen fünf und sieben Jahren liegen, zumal die Gutachterin ausgeschlossen habe, dass der Herzriss durch eine Druckmassage verursacht worden sein könnte.

Hohes Strafmaß für Pflegemutter

Mehrfach wurde im Prozess an den Fall des getöteten Pflegekindes Talea erinnert, der vor über zehn Jahren von der gleichen Strafkammer in Wuppertal verhandelt worden war. Damals war die Pflegemutter zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Die kleine Naelys starb vor mehr als drei Jahren im Alter von 21 Monaten. Ihrer Pflegemutter wird neben gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge auch schwere Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen.

Laut Anklage hatte die Pflegemutter das kleine Mädchen mehrfach geschlagen und getreten. Das Kind habe zahlreiche äußere und erhebliche innere Verletzungen erlitten, etwa Risse von Herz und Leber.

Es sei gestorben, bevor die inzwischen 51-Jährige den Rettungsdienst gerufen habe. Das Gericht wies daraufhin, dass es auch Hinweise auf frühere Gewaltausbrüche gegen das Kind gebe. Fünf weitere Verhandlungstage waren geplant.

dpa

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