Ideale Männer: Ausstellung Hans von Marées in Wuppertal

WUPPERTAL Noch 1904 zeigten sich die ehrenwerten Mitglieder des Wuppertaler Kunst- und Museumsvereins empört. „Massen nackten Fleisches“ seien in der Ausstellung mit Werken des Hans von Marées zu sehen. Inzwischen sind die Bilder so nachgedunkelt, dass sich schon deshalb niemand mehr über die aktuelle Hans von Marées-Schau in Wuppertal aufregen wird.

von Von Bettina Jäger

, 05.06.2008, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damals hatte erst die Warnung eines Museumsdirektors die Herren zur Vernunft gebracht. Mit einer solchen Aktion werde es die Stadt sicherlich in die satirischen „Fliegenden Blätter“ schaffen, hatte er gesagt.

Schwierige Rezeptionsgeschichte

Die Anekdote, die der heutige Direktor Gerhard Finckh anlässlich der neuen Hans-von-Marées-Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum erzählte, ist typisch für die schwierige Rezeptionsgeschichte des Künstlers. Zuerst drohte der Maler, der zeitlebens nur ein Bild verkaufte, nach seinem Tod 1887 vergessen zu werden. Doch vor dem Ersten Weltkrieg entfalteten seine Bilder plötzlich eine verblüffende Wirkung auf Macke und Marc, seine Figur eines Orangenpflückers stand Pate für ein Bild von Duchamp. Und während er 1957 noch als „der bedeutendste Künstler des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet wurde, kennt ihn heute niemand mehr.

Sorgfältig gestaltete Schau

Mit einer liebevoll und sorgfältig gestalteten Ausstellung entreißt Kuratorin Nicole Hartje-Grave den Maler, der 1837 in Wuppertal geboren wurde, dem Vergessen. Gleich im ersten Raum sehen wir (als Reproduktionen) seine Fresken für die Zoologische Station in Neapel. Gleich darunter hängen jene Gemälde wie die Frau auf der Treppe (Foto) von 1873, die der Künstler als Vorstudien herstellte. Mit Leihgaben aus Berlin und München zeichnet das Museum dann das Frühwerk nach, das in seiner Stil-Vielfalt eher verwirrt – von Schlachtenbildern bis zu einem Selbstbildnis mit Hut (1861/62) à la Rembrandt. Erst im Spätwerk gelangte Hans von Marées zu jenem Neo-Idealismus, der antikisierende Männerakte in freier Natur zeigt. Nicht ohne Grund hat das Museum Wilhelm von Gloedens Fotos dazugehängt: Die homoerotischen Aspekte ähneln sich. Durch die Maltechnik – von Marées schichtete Tempera und Öl übereinander – sind die Bilder allerdings stark nachgedunkelt. Oft ist kaum noch zu erkennen, was die Herren 1904 so aufregte.

Riesenbilder drohen zu zerfallen

Leider konnten Riesenbilder wie „Das Goldene Zeitalter“ nicht nach Wuppertal reisen. Sie drohen zu zerfallen, sobald man sie bewegt. So bleibt die Ehrenrettung für Hans von Marées unvollständig. Ob sie gelungen ist? Für Kunstfreunde ist die Schau sehr interessant. Vom Zeitgeschmack ist diese Kunst allerdings Lichtjahre entfernt.   Von der Heydt-Museum Wuppertal: Hans von Marées, Turmhof 8, 8.6.-14.9., Di-So 11-18, Do 11-20 Uhr. Katalog 25 €, DVD 15 €. 

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