Ikea will Maskenbefreiung in Coronaschutzverordnung nicht akzeptieren

mlzNach Vorfall in Kamen

Ein Vorfall aus Kamen zieht Kreise: Ikea will Kunden, die laut Coronaschutz-Verordnung aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können, offenbar den Zutritt zu den Einrichtungshäusern verweigern. Damit fordert die Möbelkette den Gesetzgeber heraus.

Kamen

, 02.06.2020, 20:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verwirrung um die Maskenpflicht bei Ikea: Noch am 26. Mai äußerte die Deutschland-Zentrale ihr Bedauern über einen Vorfall im Möbelhaus in Kamen. Dort war eine lungenkranke Frau am Vortag vom Türsteher am Haupteingang zurückgewiesen worden, obwohl ihr ein ärztliches Attest bescheinigt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann. Laut Coronaschutz-Verordnung NRW gilt für Kunden im Handel eine Maskenpflicht. Die Ausnahme: Kinder bis zum Schuleintritt und Personen, die aus medizinischen Gründen keine Mund-Nase-Bedeckung tragen können.

Kehrtwende bei Ikea

Nun rudert Ikea zurück. Die Deutschland-Zentrale gab am Dienstag nach Pfingsten auf Twitter bekannt, keine ärztlichen Atteste von Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz zu akzeptieren. „Um die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen, machen wir das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Besuch eines Ikea-Einrichtungshauses bis auf weiteres verpflichtend, auch für den Fall, dass ein ärztliches Attest vorliegt“, heißt es. Ikea fügt hinzu: „Wir bleiben damit bei unserem strengen Hygienekonzept, da wir nur so Kunden und Mitarbeitern eine sichere Einkaufsumgebung garantieren können. Um das Tragen so angenehm wie möglich zu gestalten, akzeptieren wir auch Schals u.ä. als Schutz.“

Unternehmen sieht Auslegungsspielraum

Offenbar sieht Ikea einen Auslegungsspielraum bei der Ausnahmeregelung in der nordrhein-westfälischen Coronaschutz-Verordnung. In anderen Ländern gelten vergleichbare Regeln. Sollte Ikeas Beispiel Schule machen, hätte das für Attest-Inhaber möglicherweise weitreichende Folgen und wäre eine Herausforderung für den Gesetzgeber. Vorige Woche hatte Ikea die Regeln noch zugunsten von gesundheitlich beeinträchtigen Minderheiten interpretiert. In einer Stellungnahme aus der Deutschland-Zentrale erklärte Ikea-Mitarbeiterin Kim Steuerwald gegenüber dieser Redaktion: „Bei Vorliegen eines ärztlichen Attests gilt die Ausnahme von der Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen natürlich auch beim Ikea-Besuch. Wir bedauern, dass dem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes dieser Sachverhalt zunächst nicht bekannt war und der Kundin daraus Unannehmlichkeiten entstanden sind.“

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Schutzvisiere als Alternative

Ikea bietet den Kunden, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, an einigen Standorten auch ein Schutzvisier an – so auch in Kamen. Sollte das einem Kunden jedoch nicht behagen, könne er das Einrichtungshaus bei Vorlage des Attests aber auch ohne Maske betreten, so hieß es vorige Woche in der Ikea-Stellungnahme gegenüber der Redaktion. Bei Twitter erwähnt Ikea die Schutzvisiere nicht.

Ingrid Pap (mit ihrem Mann Peter) scheiterte am Ikea-Türsteher. Der Sicherheitsmann akzeptierte kein ärztliches Attest, dass ihr bescheinigt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann.

Ingrid Pap (mit ihrem Mann Peter) scheiterte am Türsteher bei Ikea in Kamen. Der Sicherheitsmann akzeptierte kein ärztliches Attest, dass ihr bescheinigt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann. © privat

Lungenkranke Frau in Kamen zurückgewiesen

Ursula und Peter Pap (beide 69) aus Unna hatten ein negatives Ikea-Einkaufserlebnis öffentlich gemacht. Ein Türsteher wies sie am Möbelhaus in Kamen zurück. „Ich habe mich minderwertig gefühlt“, sagte Ursula Pap, die lungenkrank ist und ein Attest einer hausärztlichen Praxis aus Unna besitzt. Darauf steht: „Aufgrund der reduzierten Lungenfunktion muss die oben genannte Patientin keine Maske tragen.“

In einen Ikea-Markt kommt sie aber so nicht, das ist durch die öffentliche Stellungnahme nun für alle 53 Ikea-Häuser, darunter elf in NRW, jetzt klargestellt. Unklar ist, was passiert, wenn ein Ikea-Kunde mit ärztlichem Attest auf Einlass besteht, auf die Coronaschutz-Verordnung pocht und dann das Kamener Ordnungsamt ruft. Die Stadt Kamen hatte durch einen Sprecher erklärt: „Wenn wir gerufen würden, würden wir vermitteln, damit der Kunde ohne Maske das Geschäft betreten kann.“

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