Immunität nach Corona: Antworten auf drei wichtige Fragen

Coronavirus

Berichte über „Corona-Rückfälle“ schürten Ängste, dass das Virus mutiert sei. Fälle in Südkorea beruhten jedoch auf einem Messfehler. Heißt das also, dass wir nach einer Infektion immun sind?

Berlin

02.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ist man nach überstandener Corona-Infektion dauerhaft immun? Hier kann die Wissenschaft nur erste Anhaltspunkte liefern.

Ist man nach überstandener Corona-Infektion dauerhaft immun? Hier kann die Wissenschaft nur erste Anhaltspunkte liefern. © picture alliance/dpa

Sie gehört zu einer der vielen Gretchenfragen der Corona-Krise: Ist ein Mensch gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 nach einer Infektion immun? Berichte aus China, Südkorea und Japan, wonach Genesene sich bereits nach wenigen Tagen oder Wochen wieder infiziert hätten, machten die Beantwortung nicht gerade einfacher. In Südkorea führten Wissenschaftler 277 Fälle an, die diese These nahelegten. Nun jedoch die Kehrtwende. Die Sorgen waren wohl unbegründet.

Denn die Berichte, dass bei bereits geheilten Patienten das Virus erneut ausbrechen könne, beruhen auf einem Messfehler. Das haben Forscher des südkoreanischen Zentrums für Seuchenkontrolle (CDC) nun mitgeteilt. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass das Virus in seiner jetzigen Form im Körper nicht reaktiviert werden könne, erklärte Dr. Oh Myoung-don, der Leiter des CDC-Ausschusses, gegenüber „Sky News“.

Heißt das nun, dass eine Immunität nach einer Infektionen mit Sars-CoV-2 gewährleistet ist? Nein. Das Virus ist erst seit wenigen Monaten im Umlauf. Dementsprechend kann noch nicht von einer empirischen Datenlage gesprochen werden. Es gibt vielversprechende Anhaltspunkte. Jedoch davon auszugehen, dass ein „Rückfall“ ausgeschlossen sei, ist höchst spekulativ. Um es anders auszudrücken: Hier steht die Forschung noch ziemlich am Anfang.

Immunität nach einer Corona-Infektion?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt aktuell davor, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt und Antikörper gebildet haben, dauerhaft vor einer zweiten Infektion geschützt sind. Dennoch: Es gilt als wahrscheinlich, dass man nach überstandener Infektion eine gewisse Zeit immun ist. Das zeigen Erfahrungen mit anderen Coronaviren aus der Vergangenheit. Folgend drei wichtige Fragen zur Immunität:

  • Wie lange wäre man immun? Den Zeitraum kann die Wissenschaft noch nicht exakt eingrenzen. Genauere Daten können erst erhoben werden, wenn Menschen, die infiziert waren, nach längerer Zeit noch einmal getestet werden. Bei harmloseren Coronaviren, die beim Menschen beispielsweise nur eine Erkältung hervorrufen, beobachten Forscher eine Immunität von mindestens einem Jahr. Blickt man auf den nächsten Verwandten, Sars, zeigt sich eine andere Zeitspanne. Studien prognostizieren hier eine Immunität von bis zu zwei Jahren. Beim neuen Coronavirus liegen die Schätzungen zwischen ein und drei Jahren. Wissenschaftler des Imperial College in London rechnen beispielsweise damit, dass eine erneute Ansteckung für mindestens eine weitere Saison ausbleibt. Sicher scheint: Eine lebenslange Immunität ist unwahrscheinlich.
  • Wann gibt es zuverlässige Tests zur Immunität? Schon jetzt gibt es verschiedene Tests. Die Hersteller versprechen eine Genauigkeit von 90 bis 100 Prozent. Jedoch spielt auch hier der Faktor Zeit eine Rolle. Bluttests etwa liefern erst nach etwa drei Wochen nach Auftreten der ersten Symptome zuverlässige Ergebnisse. Warum? So lange dauert es, bis genug Antikörper gebildet wurden. Zudem können diese Tests auch auf andere Coronaviren reagieren und damit das Ergebnis verfälschen.
  • Hat man nach der Infektionen mit anderen Coronaviren einen Schutz vor Covid-19? Christian Drosten gehört zu den führenden Corona-Experten weltweit. Der Topvirologe der Berliner Charité stellt die These auf, dass Menschen möglicherweise eine Grundimmunität bekommen, wenn sie früher schon Infektionen mit anderen Coronaviren durchgemacht haben. Das könnte erklären, warum manche Menschen nur leichte bis gar keine Symptome entwickeln. Bei der Grippe ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten: Viele Menschen entwickeln eine Teilimmunität gegen bestimmte Grippevirenstämme, wenn sie eine Infektionen mit einem Erreger aus der selben Virengruppe durchgestanden haben. Ob das nun auch bei Sars-CoV-2 der Fall ist, ist nicht wissenschaftlich belegt.

Es ist also noch lange nicht sicher, ob und wie lange der Mensch gegen Sars-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 immun ist. Ja, wer eine Infektion gesund übersteht, hat wohl ein Weile Ruhe. Dennoch braucht die Wissenschaft noch Zeit, um valide Erkenntnisse liefern zu können. Und die hat während der Corona-Krise bekanntlich kaum jemand.

RND

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