Impfstart in Praxen erst im Mai? Chef der Kassenärzte kritisiert Impfstrategie

Coronavirus

Der Impfstart in Hausarztpraxen hat sich erneut verzögert. Haus- und Kassenärzte halten Impfungen in Arztpraxen im April für unwahrscheinlich und kritisieren die Priorisierung von Impfzentren.

Berlin

11.03.2021, 13:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Impfverzögerung in Arztpraxen wird stark kritisiert.

Die Impfverzögerung in Arztpraxen wird stark kritisiert. © dpa-tmn

Der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, hat die Verzögerung beim Start der Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen kritisiert. „Wir sind nicht nur bereit, wir scharren seit Wochen ungeduldig mit den Hufen“, sagte Weigeldt im Deutschlandfunk.

Weigeldt kritisiert vorrangige Belieferung der Impfzentren

Der Hausärzteverband wolle bei der Durchimpfung der Bevölkerung endlich „tatsächliche Ergebnisse“ haben. „Ich kann nicht verstehen, dass man sozusagen das Volk im Lockdown hält, anstatt zu impfen, um irgendwelche Impfzentren weiter zu bedienen“, sagte Weigeldt. Da die Impfzentren vorrangig beliefert werden sollen, ist für die Praxen noch nicht genügend Impfstoff vorrätig. Der Impfstart in den Hausarztpraxen war am Montag zunächst noch für Anfang April vorgesehen.

Nach dreistündigen Beratungen einigten sich die Gesundheitsminister am Mittwoch auf die 16. Kalenderwoche (19. bis 25. April) oder früher - „sollten es die noch zu konkretisierenden Liefermengen der Hersteller für April zulassen“. Regierungssprecher Steffen Seibert hatte mitgeteilt, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder zeitnah über die Empfehlungen der Gesundheitsministerkonferenz entscheiden wollen.

Prognose Gassen: Impftempo bleibt gering

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, erwartet den Impfstart in Arztpraxen frühestens im Mai - und nicht wie von der Bundesregierung geplant spätestens ab dem 19. April.

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Bei der Gesundheitsministerkonferenz am Mittwoch sei entschieden worden, dass der Impfstoff zunächst weiter an die Impfzentren gehe, „sodass ich die Haus- und Fachärzte im April eher nicht im Impfgeschehen sehe, weil sie schlicht und ergreifend nicht genug Impfstoff bekommen werden“, sagte Gassen am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Er gehe davon aus, dass „wir auf diese Ressourcen wohl dann erst im Mai zurückgreifen können und es bei dem bisherigen Impftempo bleiben dürfte“.


RND

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