In Buchstaben verfangen

DORTMUND Entweder oder. Autoren schreiben entweder für Kinder oder für Erwachsene. Die Welten scheinen klar getrennt zu sein. Und nur wenigen Schriftstellern gelingt es, eine Tür zwischen diesen Welten zu finden. Cornelia Funke gehört zu dieser seltenen Spezies.

von Von Alexandra von Braunschweig

, 27.09.2007, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>"Tintentod"erscheint heute in einer Auflage von 500 000 Exemplaren. Foto Verlag</p>

<p>"Tintentod"erscheint heute in einer Auflage von 500 000 Exemplaren. Foto Verlag</p>

Jüngere bis fortgeschrittene Leser haben mit unverhohlener Ungeduld ihr Buch "Tintentod", den letzten Teil der Tintenwelt-Trilogie, erwartet. Und sie werden nicht enttäuscht. Tintentod steht den Vorgängern an Spannung, Fantasie und Sprachgefühl in nichts nach.

Denn Cornelia Funke ist anscheinend spezialisiert auf das Türöffnen zwischen den Welten. In ihrer Tintenwelt reizt sie den Gedanken aus, sich in Bücher "hineinlesen" zu können. Nur leider haben sich Mo, seine Frau Resa und seine Tochter Meggie keine schnulzige Liebesgeschichte ausgesucht, sondern sich in eine Welt voller Burgen, Räubern und fieser Herrscher verirrt. Eine finstere Welt.

Wer schreibt weiter?

Im letzten Teil der Trilogie besteht der Reiz weniger aus der Flucht aus dieser düsteren Welt als vielmehr aus den Fragen: Wer schreibt die Geschichte weiter? Wer kann Mo retten? Oder ihn ins Verderben stürzen? Ist es Fenoglio, der Autor des Buches Tintenherz? Ist es Orpheus, ein selbst verliebter Dichter, den Meggie in die Geschichte "gelesen" hat? Oder verselbständigt sich die Geschichte sogar ganz?

Mo als Eichelhäher

Mo identifiziert sich immer mehr mit der Rolle des Eichelhähers - quasi dem Robin Hood der Cornelia Funke. Er ist so sehr von dem Gedanken besessen, sich dem skrupellosen Natternkopf auszuliefern und sein Buch der Unsterblichkeit zu vernichten, dass seine Frau Resa ihn drängt, wieder in die "echte" Welt zurückzukehren: "Du willst bestimmen, was passiert. Du willst mitspielen! Aber wer sagt dir, dass du jemals wieder aus den Buchstaben herausfindest, wenn du dich noch mehr in ihnen verfängst?"

Spiel mit dem doppelten Boden

Wer sich definitiv in den Buchstaben der Cornelia Funke verfängt, ist der Leser. Das Spiel mit dem doppelten Boden, die Frage, wer die Zügel der Geschichte in der Hand hält, ist so geschickt gemacht, so durchdacht und glaubhaft. Zudem geben Menschen, die sich in Vögel verwandeln können, bunte Feen und Riesen der Geschichte ihre magische und fantasievolle Untermalung, ohne dass sie auch nur ein bisschen kitschig wirkt. Tintentod ist ein würdiger Abschluss der Tintenwelt.

Cornelia Funke: Tintentod, 768 Seiten, Dressler Verlag, 22.90 Euro, ISBN: 978-3791504766.