In der Dortmunder „Lohengrin“-Inszenierung hat Elsa einen Albtraum im Kornfeld

Theater Dortmund

Einen so tollen Lohengrin wird man so schnell nicht wieder hören: Daniel Behle hat in dieser Partie im Dortmunder Opernhaus sein Debüt gegeben. Ein strahlender Ritter ist er nur musikalisch.

Dortmund

, 01.12.2019, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Dortmunder „Lohengrin“-Inszenierung hat Elsa einen Albtraum im Kornfeld

Lohengrin (Daniel Behle) und Elsa (Christina Nilsson) im Kornfeld © Thomas M. Jauk/Stage Picture

Wenn die Autorin dieses Textes zur Arbeit eine solche Einstellung hätte wie Regisseur, Bühnenbildner und Kostümbildnerin des neuen Dortmunder „Lohengrin“, dann wäre diese Premierenkritik an dieser Stelle zu Ende.

Das, was das Publikum am Samstagabend im ausverkaufen Dortmunder Opernhaus mit Buhrufen für das Regieteam und großem Jubel für Solisten, Chor und Orchester quittierte, war kaum mehr als eine konzertante Aufführung der Wagner-Oper. Ein, zwei Ideen des Regisseurs (er inszeniert Elsas Traum), wenige Ansätze von Personenführungen, aber nur, wenn nicht mehr als zwei Personen auf der Bühne sind. Das war‘s.

Jessica Rockstroh setzt auf Beerdigungs-Look

Den Opernchor bewegt Regisseur Ingo Kerkhof gar nicht – der singt von den Zuschauerbalkonen, was musikalisch ein toller Raumklang-Effekt ist. Auf der Bühne steht der Chor später vor einem Vorhang. Und jeder (mit Ausnahme von Elsa im weißen Hochzeitskleid) darf das anziehen, was er auf der letzten Beerdigung getragen hat. Kostümbildnerin Jessica Rockstroh putzt das düstere Einheitsschwarz immerhin mit kleinen brabantschem Spitzenkragen heraus.

Ein Kammerspiel in einem winzigen Schlafzimmer auf der sonst nur mit Stroh dekorierten Bühne (Dirk Becker) macht Kerkhof aus dem „Lohengrin“. Das Schlafzimmer ist für Elsa wie ein Gefängnis, das sie erst verlässt, als ihr Retter Lohengrin erschienen ist. Einem Ritter würdig ist der bescheidene Auftritt an der Seite der Bühne übrigens nicht. Und wenn Elsa die Geschichte schon geträumt hat – dass ein Ritter am Schluss so jämmerlich in der Ecke kauert, ist wohl auch mehr ein Albtraum.

Behle gibt ein tolles Debüt

Wieso schlafen eigentlich alle in einem Bett? Elsa ebenso wie Ortrud und Teramund? Die Frage beantwortet der Regisseur ebenso wenig wie die, ob Lohengrin Elsas verschollener Bruder Gottlieb sein soll, weil er ihr den Federball zeigt, den Elsa und Gottlieb beim Suppelöffeln im Video in den Topf geworfen haben.

Nicht wegen der Inszenierung, aber wegen der großartigen musikalischen Leistung muss man diesen „Lohengrin“ gesehen haben. Daniel Behle gibt sein Debüt in dieser Wagner-Rolle. Und das ist ein Ereignis. So schön ausgesungen, mit einer so traumhaften Leichtigkeit und Innigkeit in der Stimme hat man den Lohengrin noch nicht gehört und hört vieles in Wagners Musik ganz neu. Wunderbare Farben und Obertöne hat Behles Tenor. Er klingt sanft und elegant wie ein märchenhafter Retter und im dritten Akt auch maskulin wie ein Ritter. Und nicht nur seine Gralserzählung ist ein Traum, weil sie liedhaft klingt, aber trotzdem kraftvoll.

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz schafft umwerfenden Raumklang

Die junge Schwedin Christina Nilsson passt mit ihrem schlank geführten, leuchtenden Sopran als Elsa hervorragend zu Behles Tenor. Hervorragend ist auch Joachim Goltz als Telramund mit einem starken, dunklen Bariton besetzt, der noch kräftiger ist als der Bass von Shavleg Armasi als König Heinrich. Telramunds Schwertkampf mit Lohengrin ist in der Inszenierung auch sehr dürftig. Stéphanie Müther singt eine hochdramatische Ortrud, mit vielen Farben aus dem italienischen Fach. Gewohnt souverän gestaltet Morgan Moody die Partie des Heerufers, muss aber sehr marionettenhaft spielen.

Ein großartiges Erlebnis ist der Raumklang, den Generalmusikdirektor Gabriel Feltz schafft, indem er den Chor und später Blechbläser im Saal platziert. Und das Theater hat den Orchestergraben tiefer herunter gefahren, wodurch sich der Klang besser mischt und die Balance zu den Sängern fast so ideal wie in Bayreuth ist. Musikalisch ist das ein Wagner-Fest.

Termine: 8. / 14. 12., 12. 1., 22. 3., 10. 4., 22. 5. Daniel Behle singt am 8. / 14. 12. und 22. 5.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22. www.theaterdo.de
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