"Inherent Vice": Hippies und Bekloppte

Neu im Kino

Ein Kosmos von Irren und Hysterikern, eine Zeitreise in die psychedelische Beklopptheit: Mit "Inherent Vice" hat Paul Thomas Anderson ("Boogie Nights", "Magnolia") einen Thomas-Pynchon-Roman kongenial verfilmt.

09.02.2015, 16:17 Uhr / Lesedauer: 1 min
Doc Sportello (Joaquin Phoenix) und die schöne Staatsanwältin Hope Harlingen (Reese Witherspoon)

Doc Sportello (Joaquin Phoenix) und die schöne Staatsanwältin Hope Harlingen (Reese Witherspoon)

Dies ist kein Wer-hat’s-getan-Thriller. Gab es ein Verbrechen? Ist alles nur Kiffer-Paranoia? Romane von Thomas Pynchon sind verschlungene Irrfährten, labyrinthische Reisen auf der Spur von Geheimnissen, die im Dunkeln bleiben. So ist es auch auf der Leinwand.

Die Geschichte mäandert vor sich hin, öffnet immer neue Türen, verliert sich in einem Geflecht von Figuren – und unterhält trotzdem großartig. Weil sie die Logik eines Krimis zum Vorwand nimmt, um in die wunderbare schräge Welt der Drogen-befeuerten Hippie-Gegenkultur an Amerikas Westküste abzutauchen.

Lakonisch witziges Sittenbild

Der Film funktioniert prächtig als lakonisch witziges Sittenbild der frühen 70er-Jahre. Los Angeles im trägen Groove der „Californication“: Zieh am Joint und der Tag ist dein Freund. Joaquin Phoenix spielt den dauerbedröhnten Beach-Bohemian „Doc“ Sportello, der es irgendwie zur Lizenz eines Privatdetektivs gebracht hat.

Als seine Ex-Freundin (Katherine Waterston) ihm erzählt, ihr Liebhaber, ein Immobilienhai, solle in eine Klapsmühle entführt werden, beginnt Sportello zu ermitteln. Der Job führt ihn zu Nazi-Rockern, koksenden Zahnärzten, Rockmusikern. Sportello stört die Kreise eines Heroin-Kartells, das FBI ist involviert und eine schöne Staatsanwältin (Reese Witherspoon).

Zeitreise in die psychedelische Beklopptheit

Der Doc verläuft sich in einem Kosmos von Irren und Hysterikern. Er wacht neben einer Leiche auf, er wird misshandelt. Die Tritte eines Hippie-Hassers von der Polizei (Josh Brolin) sind da eher therapeutischer Natur. Der ganze Fall bleibt so nebulös wie die Hasch-Wolken um Sportellos Kopf.

Wie gesagt: „Inherent Vice“ ist kein Thriller. Anderson liefert eine Farce, nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die psychedelische Beklopptheit. Ein Film, der sich als Trip versteht, fein gespielt, stilecht ausgestattet, superb fotografiert. „Fear And Loathing“ in Los Angeles.