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Issam Jaber: „Die haben auf alles getreten, was sich bewegt“

Fußball: TSC Hamm gegen FC Nordkirchen

Issam Jaber erneuerte am Montag seine Kritik am Verhalten des TSC Hamm. Der Klub wehrt sich vehement. Eine Überraschung: Kevin Großkreutz hat sich geäußert.

Nordkirchen

12.03.2018
Issam Jaber: „Die haben auf alles getreten, was sich bewegt“

Patrick Broszat (r.) im Zweikampf mit Hamms Verteidiger Lukas Skalski. Nordkirchen unterlag mit 0:1, daran konnte auch Broszat nichts ändern, der zur Pause eingewechselt worden war. © Reith

Das Sportliche zum Auswärtsspiel beim Türkischen SC Hamm hatte Issam Jaber, Trainer des Fußball-Bezirksligisten FC Nordkirchen, in wenigen Sätzen am Sonntag abgehakt: „Wir sind der verdiente Verlierer. Das steht außer Frage.“

Schnell kam Jaber am Abend zu unschönen Vorkommnissen. „Wir werden bespuckt, beleidigt und bedroht. Das macht mir keinen Spaß“, sagte er nach dem Spiel und erhob damit massive Vorwürfe gegen Spieler, Trainer und Anhänger der Heimmannschaft. Junge Spieler wie Patrick Trawinski seien komplett eingeschüchtert worden. „Die haben auf alles getreten, was sich bewegt“, so Jaber.

Und auch am Schiedsrichter übte Jaber Kritik: Ohrfeigen, Nachtreten, zum Schluss eine Kopfnuss in der Nachspielzeit gegen Marcel Tönning – das alles habe Amir Aletic übersehen. Statt einer Roten Karte, wie Jaber forderte, zückte der Schiedsrichter die zweite Gelbe Karte gegen Nordkirchens Marcel Tönning, der arg theatralisch zu Boden gegangen war, kurz danach aber wieder stand. Als die Nordkirchener dann in die Kabine gingen, verteilte Kapitän Mustafa Akyüz noch Nackenschläge an zwei Nordkirchener, wurde von eigenen Vereinsanhängern weggezogen. „Das ist unfassbar“, sagte Jaber.

Issam Jaber: „Die haben auf alles getreten, was sich bewegt“

„Wir werden bespuckt, beleidigt und bedroht. Das macht mir keinen Spaß“, sagt Nordkirchens Trainer Issam Jaber. © Reith

Der TSC Hamm, Schlusslicht der Bezirksliga 8, war erst im Sommer aus der Bezirksliga 7, die sich von Hamm nach Osten erstreckt, umgruppiert worden. „Jetzt kann ich nachvollziehen, warum niemand in Hamm die in der Liga haben wollte“, sagte Jaber. Herbert Nüsken, Staffelleiter der Bezirksliga 7, berichtete durchaus von Schwierigkeiten in der Vergangenheit. „Es gab immer wieder Theater und Vermerke im Spielbericht“, sagte Nüsken. Es gebe Vereine, bei denen rauszuhören war, dass sie die „Spiele gegen den TSC Hamm nicht brauchen.“

Unruhe sei laut Nüsken vor allem immer wieder von Erdal Akyüz, Trainer der Hammer, ausgegangen. Und auch Jaber kritisierte Akyüz: „Er beleidigt alle und will mir nach dem Spiel die Hand geben. Auf so ein falsches Spiel habe ich keine Lust“, sagte Jaber. Akyüz beschwerte sich im Gegenzug darüber, dass Jaber ihm den Handschlag verweigert habe.

Während Jaber am Montag seine Anschuldigungen wiederholte, ging Akyüz in die Offensive, bezichtigte Jaber eines schlechten Verlierers: „Das ist dermaßen übertrieben und unter aller Sau. Er ist selbst kein Kind von Traurigkeit.“ Auf Facebook unterstützte Weltmeister Kevin Großkreutz, der den Dortmunder Klubbesitzer Akyüz privat kennt, die Hammer: „Gesunde Härte gehört im Fußball dazu.“

Issam Jaber: „Die haben auf alles getreten, was sich bewegt“

„Wegen solcher Äußerungen sind wir aus der alten Liga verbannt worden. Wir werden gebrandmarkt und sind die Leidtragenden“, sagt Erdal Akyüz, Trainer des TSC Hamm. © Reith

Jaber widersprach der Darstellung: „Wir können mit der Niederlage sehr gut umgehen. Wir trennen das.“ Den Nordkirchener Auftritt in Hamm bezeichnete Akyüz als arrogant. „Ich weiß nicht, welche Spieler Nordkirchen bedroht haben sollen“, sagte Akyüz, der seinen Klub zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt sieht. „Wegen solcher Äußerungen sind wir aus der alten Liga verbannt worden. Wir werden gebrandmarkt und sind die Leidtragenden. Das spricht nicht von Verantwortungsgefühl“, so Akyüz. Reinhold Spohn, Vorsitzender des Verbands-Fußball-Ausschusses hatte gegenüber einer Hammer Zeitung im Sommer noch gesagt, dass es den TSC bei der Umgruppierung traf, weil der Verein immer wieder für Probleme sorge. Am Montag bestätigte Spohn das allerdings nicht.

Jaber: „Ich habe mich auch entschieden, das publik zu machen, weil wir uns das nicht gefallen lassen. Man lässt uns irgendwo auch alleine. Wo waren denn die Staffelleiter und Beobachter?“ Staffelleiter Lothar König sagte, dass die Bezirksspruchkammer 5 eine Aufsicht festlegen oder es ein Verein auf eigene Kosten beantragen müsse. König selbst müsse nur ein Mal pro Monat ein Spiel beobachten, hat dabei aber freie Wahl. Ob der TSC ein Problemverein sei? „Nein“, sagt König, „bei mir nicht. Ich komme gut mit Hamm zurecht.“