Italienischer Abend im Schloss

Cappenberger Kammermusikfestival

Es kommt selten vor, dass einem bei klassischen Konzerten Fußballsprüche durch den Kopf gehen. Beim Eröffnungsstück zum italienischen Abend im Schloss Cappenberg am Freitag lässt es sich kaum vermeiden.

CAPPENBERG

von Von Karsten Mark

, 21.06.2015, 14:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Festivalleiterin Mirijam Contzen

Festivalleiterin Mirijam Contzen

Zum letzten Satz von Luigi Boccherinis Gitarrenquintett schleicht sich da Bassist Gustavo d´Ippolito hinter seine Musikerkollegen und lässt mit einem Mal zwei Kastagnetten klappern. Unvermeidbar, dabei nicht an Andy Möller zu denken: "Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!"

Der kleine Gag zur Eröffnung eines überwiegend leicht beschwingten bis romantischen Abends zündet verlässlich und zeigt nebenbei auch noch: Nicht nur die Italiener inspirierten nachhaltig die europäische Musikgeschichte - sie bedienten sich gerne auch bei ihren Nachbarn.

Gitarrist Arancibia

Mit dem Peruaner Juan Carlos Arancibia ist zum ersten Mal ein Gitarrist beim Cappenberger Kammermusikfestival vertreten - ein Virtuose, der vom Publikum mit großer Begeisterung aufgenommen wird. Klanglich ist die Kombination von Konzertgitarre mit einem Streichquartett durchaus eine Herausforderung. Mit dezenter Verstärkung der Gitarre und gezügelter Spielweise der Streicher - passagenweise mit Dämpfer - aber gelingt ein schönes, ausgewogenes Klangbild.

Als Kontrastprogramm folgt das wohl gewichtigste Werk des Italien-Programms: Giuseppe Verdis einziges Streichquartett. Verdis Kommentar dazu, das Stück sei ein "einfacher Zeitvertreib" gewesen, hat der Komponist wohl kaum ernst gemeint. Denn es hat jede Menge musikalische Substanz - und die ist auf Cappenberg nicht zu verkennen.

Mirijam Contzen in Hochform

Die Violinisten Giovanni Guzzo und Mirijam Contzen sowie Cellist Konstantin Heidrich sind ein gut aufeinander eingespieltes Festival-Ensemble. Hinzu kommt der Bratscher Hartmut Rhode.

Das Quartett phrasiert mit so viel Biss und Konsequenz, spielt die Schlussfuge mit so viel Virtuosität und Risikobereitschaft, dass einen dieses Stück in keinem Takt kaltlassen kann. So klingen reine Spielfreude und voller Einsatz für die Musik.

Nicht zuletzt Festivalleiterin Mirijam Contzen zeigt sich an diesem Abend in Hochform. Am Ende großer und verdienter Applaus.