Jan Klata hat zu viele Ideen

"Die Räuber" von Schiller

Freiheit und Hoffnung hat sich Karl Moor in großen Buchstaben auf den Körper tätowiert. Doch die Rebellion, so zeigt es Jan Klatas pessimistischer Blick auf Schillers "Räuber", wird ihm beides nicht bringen.

BOCHUM

von Von Ronny von Wangenheim

, 04.03.2012, 18:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Szene aus der Bochumer »Die Räuber«-Inszenierung mit Karl (Felix Rech) und Amalia (Kristina Peters).

Szene aus der Bochumer »Die Räuber«-Inszenierung mit Karl (Felix Rech) und Amalia (Kristina Peters).

Der polnische Regisseur hat Schillers Jugendwerk in Schwarz und Weiß inszeniert. Die dunkle, sehenswerte, Bühne ist bestückt mit Stelen aus Leuchtröhren, zwei metallene Wände an den Seiten werden ab und zu zur Projektionsfläche. Hier bekommt vor allem Franz, die Kanaille, Raum. Florian Lange spielt ihn als dicklichen, schwitzenden Intriganten, der sich von Bruder und Vater befreien und Amalia gewinnen will.Karl Moor geht in Masse unter

Dagegen kann Felix Rech als Karl Moor kein scharfes Profil zeigen. Er wird von der Masse der Räuber geschluckt, die sich am hintersten Bühnenrand zu chorischen Sprechgesängen sammelt. Fast wider Willen wird er zum Räuberhauptmann, der am Ende die Rückkehr in die Gesellschaft nicht schafft.Testosterongesteuert Mit Tätowierungen und Versatzstücken von Rüstungen haben die Räuber ein martialisches Aussehen. Sie sind testosterongesteuerte Freaks, allen voran Spiegelberg (Dimitrij Schaad), der in einem pantomimischen Solo die Schändung vieler Nonnen "erzählt". Begleitet wird sein obszöner Tanz von unscharfen Bildern junger Mädchen, die vor der Kamera posen. Jan Klata, der als Kenner der Popkultur gilt, findet hier seine Ideen - zu viele.Manga-Girl Andreas Grothgars Vater Moor lässt er als Butoh-Tänzer auftreten, Kristina Peters scheint einem Manga entsprungen - vielleicht ist sie deshalb so zweidimensional. Da werden Videos von Rockkonzerten gezeigt, Monologe vervielfacht in den Raum geworfen, Karl und Spiegelberg quieken dank Heliumballons, die Toten begleiten den Tanz der Räuber wie Zombies.

Buhs für die Regie

Und es wird viel geschrieen an dem Abend. Immer wieder müssen die Räuber gegen die Metallwände krachen. Das nervt. Vor allem nach der Pause zieht sich das Drama, bis Vater, Räuber, Franz gestorben, Karl Moor seine Amalia getötet hat. So können viele unterhaltsame, ja auch beeindruckende, Einzelbilder nicht zu einem stimmigen Gesamteindruck finden. Zurecht mischten sich einige Buhs für die Regie in den Applaus.

Termine: 8./17./18.3.; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.

Lesen Sie jetzt