Johan Simons wird Intendant in Bochum - aber erst ab 2018

Niederländer plant "Haus der Kulturen"

Der Niederländer Johan Simons (69) wird Intendant des Schauspielhauses Bochum - aber erst ab der Spielzeit 2018/19. Für ein Jahr wird es eine Interimslösung geben. Das hat der Verwaltungsrat der Sprechbühne am Freitagnachmittag entschieden.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem und Bettina Jäger

, 05.02.2016, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Noch leitet Johan Simons das Festival Ruhrtriennale. 2017 soll er Intendant des Schauspielhauses Bochum werden.

Noch leitet Johan Simons das Festival Ruhrtriennale. 2017 soll er Intendant des Schauspielhauses Bochum werden.

Der Verwaltungsrat hatte sich einstimmig für Simons entschieden. Der Niederländer ist  jedoch bis 2017 künstlerischer Intendant des Theater- und Musikfestivals Ruhrtriennale. In der Spielzeit 2017/18 - also nach dem Abschied des derzeitigen Intendanten Anselm Weber - soll Dramaturg Olaf Kröck die traditionsreiche Bochumer Bühne als Interimsintendant führen.

Anschließend will Simons das Theater an der Bochumer Königsallee in ein "Haus der Kulturen" verwandeln. Er plant  ein Netzwerk mit Gent und Rotterdam. Jedes Jahr wird es eine große internationale Koproduktion geben, die an allen Häusern gezeigt wird, hieß es bei der Pressekonferenz in der Bochumer Innenstadt.

Seit Mittwoch bekannt

Schon am Mittwoch war bekannt geworden, dass Simons zugesagt hatte. Die niederländische Zeitung "NRC Handelsblad" hat inzwischen Simons zitiert mit der Aussage, er sei gebeten worden und habe "Ja" gesagt. Auch als Kreisen des Verwaltungsrates war die Nachricht gegenüber unserem Medium bestätigt worden.

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Johan Simons, der sympathisch hemdsärmelig auftritt und Deutsch mit einem knuffigen Akzent spricht, war von 2000 bis 2015 Intendant der Münchner Kammerspiele. Nach München geholt hatte ihn der dortige Kulturdezernent Hans-Georg Küppers, der zuvor in Bochum Kulturdezernent war. Für seine Arbeit in der Bayern-Metropole wurde Simons mit Preisen überhäuft: Die berühmte Jugendstil-Bühne war im Jahr 2013 "Theater des Jahres". Simons erhielt außerdem 2014 den Deutschen Theaterpreis "Faust" für die beste deutsche Regieleistung beim Stück "Dantons Tod".

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Johan Simons soll neuer Intendant des Bochumer Schauspielhauses werden

Theatermacher mit Hang zum Ruhrgebiet: Ein Faible für das Ruhrgebiet hat er schon lange - jetzt soll der niederländische Regisseur Johan Simons die Leitung des Bochumer Schauspielhauses übernehmen.
03.02.2016
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Noch leitet Johan Simons das Festival Ruhrtriennale. 2017 soll er Intendant des Schauspielhauses Bochum werden. © Stephan Glagla/Ruhrtriennale
Simons ist mehrfach preisgekrönt. Der damalige Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit (l.) verlieh 2014 im Rahmen des Theatertreffens in Berlin den Theaterpreis Berlin 2014 an den niederländischen Schauspieler und Regisseur.© Foto: dpa
Regisseur trifft Königin: Máxima der Niederlande (l.) überreichte am 1. Dezember 2014 den Prince Bernhard Culture Fund Prize an Johan Simons. Rechts im Bild Regisseurin Adriana Esmeijer.© Foto: dpa
Bei der Verleihung des Deutschen Theaterpreises "Faust" erhielt Simons 2014 den Preis in der Kategorie "Regie Schauspiel". Moderator Ulrich Matthes (r.) überreichte den Preis in der Staatsoper Hamburg.© Foto: dpa
Eine Aufnahme aus dem Jahr 2007: Jürgen Flimm (l.), damals Intendant der Ruhrtriennale, unterhält sich in der Jahrhunderthalle in Bochum mit dem Regisseur Johan Simons. Flimm stellte damals das Programm für seine dritte und letzte Spielzeit der Ruhrtrienale vor.© Foto: dpa
Auch unter Tage zuhause: Simons (4.v.l.) mit (v.l.) John B. Emerson, Botschafter der USA, Norbert Maus, Gesamtbetriebsratsvorsitzender, Werksleiter Jürgen Kroker und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) 2015 im Bergwerk Auguste Victoria in Marl.© Foto: dpa
Durch seine langjährige Arbeit als Regisseur und Intendant hat Johan Simons beste Kontakte. So konnte er auch die bekannte Schauspielerin Sandra Hüller bewegen, bei der Ruhrtriennale mitzuwirken. © Foto: dpa
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Auch als Intendant der Ruhrtriennale setzte er im vergangenen Jahr sofort Zeichen. Das Pasolini-Stück "Accattone" inszenierte er mit gefeierten Schauspielern wie Sandra Hüller auf dem ehemaligen Zechengelände in Dinslaken-Lohberg - ein Stadtteil, der leider als Salafisten-Hochburg unrühmlich bekannt geworden war. Der Theatermacher scheute das Thema nicht, gab dazu Interviews und diskutierte mit Anwohnern.

Auslastung von 82 Prozent

Der jetzige Bochumer Intendant Anselm Weber wechselt ans Schauspiel Frankfurt  - und zwar ausdrücklich wegen der Budgetprobleme in Bochum. Weber hatte eine gute Auslastung von zuletzt 82 Prozent erreicht und bekannte Schauspieler wie Dietmar Bär, Mechthild Grossmann ("Tatort") und Peter Lohmeyer ans Haus geholt. Trotz diverser Sternstunden wie der stets umjubelten Inszenierung von "Rose Bernd" in der Regie von Roger Vontobel mit Jana Schulz in der Titelrolle erreicht das Haus nicht mehr die Strahlkraft und Wirkung, die es zu den Zeiten von Peter Zadek oder Claus Peymann hatte. Das war allerdings auch Peymanns Nachfolgern Frank-Patrick Steckel, Leander Haußmann, Matthias Hartmann und Elmar Goerden immer nur punktuell gelungen.