John Cale - so gut kann eine Stimme mit Patina klingen

Ruhrtriennale

ESSEN. 2010 auf Zollverein war er kaum zu sehen vor Multimedia, am Donnerstag in der Lichtburg schon: John Cale, musizierend bei der Ruhrtriennale. Mit Rocktrio und den Bochumer Symphonikern spielte Cale sein `73er-Album "Paris 1919".

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 07.10.2011, 20:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
John Cale  in der Essener Lichtburg.

John Cale in der Essener Lichtburg.

Sinfonisches und Rock reimt sich oft auf "Schmock", nicht so in Essen. E-Bass und Getrommel sorgten für die Rhythmusbasis, die Streicher (acht Geigen, drei Celli, zwei Bässe) für süffigen Wohlklang, die Bläser (Hörner, Trompete, Posaune) für dramatischen Akzent. In einem farbsatten, opulenten, doch transparenten Klangbild. Nicht überarrangiert, sondern mit Luft zum Atmen.

John Cale singt, spielt Keyboard und Gitarre. 38 Jahre nach Einspielung des Albums hat die Stimme des 69-jährigen eine Alters-Patina, die den Liedern über verflossene Zeiten prächtig bekommt.Stimmungen einer Epoche

"Paris 1919" beschwört Bilder und Stimmungen einer Epoche: Das alte Europa holt Luft nach dem Krieg, in den 20ern tanzt es noch einmal auf dem Vulkan. Swingende Boheme wird weggefegt von Maschinenlärm und dem Marschtakt eines noch schlimmeren Krieges. Songs voller Wehmut, Verlust, Pathos und dunkler Ahnung, manche rühren ans Erhabene, ohne kitschig zu sein. Streicher-Grandezza macht also Sinn, schon 1973 war ein Orchester dabei.Großartiger Musiker

Blumig duften die Geigen bei "Child's Christmas in Wales", "Hanky Panky Nohow" besticht durch seine schmeichlerisch süße Melodie. Nie klang der zornige Berserker Cale so eingängig wie auf diesem Album, nie so quirlig-karnevalesk wie bei "Graham Greene". Nach der Pause gab es ein Best Of: Das folkig groovende "Waddya Mean By That", den straighten Rocker "Catastrofuk" (ein Hit, den Tom Petty nie hatte), das wunderbare "Captain Hook". Großartig.

 

 

 

Lesen Sie jetzt