"John Rabe" im Kino: Der Mann, der 250.000 Leben rettete

Jahrzehntelang war der 1950 gestorbene John Rabe einfach vergessen worden. Erst als 1996 die Tagebücher des Kaufmanns endlich veröffentlicht wurden, erinnerte man sich seiner. Mit Florian Gallenbergers aufwendigem Historien- und Kriegsdrama "John Rabe" hat diese posthume Würdigung ihren durchaus gerechtfertigten Höhepunkt erreicht.

von Von Sascha Westphal

, 26.03.2009, 16:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
"John Rabe" im Kino: Der Mann, der 250.000 Leben rettete

Um die Stürmung der Sicherheitszone zu verhindern, blockieren John Rabe und seine Mitstreiter den Eingang.

Schließlich hatte Rabe im Dezember 1937, als der zweite Japanisch-Chinesische Krieg die damalige chinesische Hauptstadt Nanking erreichte, dort eine Schutzzone eingerichtet und so das Leben von 250.000 Zivilisten gerettet.Paradebeispiel eines guten Deutschen

Für Gallenberger ist John Rabe eine überlebensgroße Heldenfigur, das Paradebeispiel eines guten Deutschen in finsteren Zeiten, dem er nun ein Denkmal setzt. Dabei deuten sich in Ulrich Tukurs Porträt dieses eigentlich untypischen Heroen zunächst Brüche und Widersprüche an. Sein Auftreten gegenüber den chinesischen Siemens-Angestellten zeugt von der Arroganz eines Kolonialherren. Und seine Mitgliedschaft in der NSDAP weist ihn als Mitläufer aus.Der Film zeigt alle Japaner als abgrundtief verschlagen

Doch für diese Schattenseiten gibt es in Gallenbergers Version der Geschichte keinen Platz mehr, nachdem die ersten japanischen Bomben gefallen sind. Von diesem Augenblick an regiert Schwarz-Weiß-Denken seinen Film. Die Japaner sind abgrundtief böse und überaus verschlagen, was man ihnen auch auf den ersten Blick ansieht, während die Chinesen kaum mehr als arme Opfer bleiben.Simple Zeichnung der Ereignisse

Eine derart simple Zeichnung der Ereignisse passt eigentlich besser zu einem US-Western der 30er oder 40er Jahre als zu einem ernsthaften Historien-Epos. Da helfen auch die sorgfältig eingefügten Originalaufnahmen von 1937 nicht mehr. "John Rabe" bleibt eine mit melodramatischen und humoresken Szenen unnötig aufgepeppte Großproduktion, die der Komplexität ihres Gegenstands nicht einmal ansatzweise gerecht wird.

Ab 2. April im Kino.

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