Joppa Hölzken: „Es ist ein Brauch von alters her: Dat Ruhrgebiet, dat hat et schwer“

Buchkritik

Joppa Hölzkens hat ein reizvolles Gedankenspiel um Wilhelm Busch verfasst.

25.01.2018, 01:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
Joppa Hölzken: „Es ist ein Brauch von alters her: Dat Ruhrgebiet, dat hat et schwer“

Zu frech? Wilhelm Busch nicht Jahrgang 1832, sondern 1952. Nicht im Schaumburger Land aufgewachsen, sondern hier bei uns im Ruhrgebiet. Andere Verse, die seine wunderbaren Zeichnungen begleiten. Über drei Klauböcke in Bredeney, denen Übles widerfährt, als sie die Schatzkiste von Tresken Schiete (Die kühne Müllerstochter) leeren wollen. „Sie knallt den Pöter oben dropp. Klappe zu und appen Kopp.“ Oder die vom Tagewerk eines sozialen Demokraten (Herr Knopp): „Den Olli wurd, wie er war sieben, in den Verein schon eingeschrieben.“

Balduin Bählamm, der verhinderte Dichter, weist erkennbare Parallelen zu hier lebenden Künstlern auf, und bei der Familie Lüsterhanns (Die Brille) ist dauernd ordentlich „Stunk inne Bude“. Dann auch noch Wanne-Eickel und Herne als Wilhelm Buschs „Feindliche Nachbarn“.

Darf das? – Ja, dat darf, zumal Joppa Hölzken unter Zeichnungen und Verse weise Erläuterungen gesetzt hat. Und wir im Ruhrgebiet Spaß auch dann verstehen, wenn er sich mit den manchmal schrägen Eigenheiten unserer Region beschäftigt. „Aus dat Revier wird Freistaat Ruhr, wie heute is in Bayern nur. Die ganze Gegend rund um Marl wird unser Silikonen Tal. Und Gelsenkirchen, wat ne Wonne, kommt endlich widder anne Sonne“ (Philosophische Prognose).

Joppa Hölzken: Es ist ein Brauch von alters her: Dat Ruhrgebiet, dat hat et schwer, 80 S., Henselowsky Boschmann, 9,90 Euro, ISBN 978-3-942094-77-1.
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