Jugend von heute spielt „Jugend ohne Gott“

Schauspiel Bochum

Absolventen der Folkwang-Uni spielen von Horváth. Dabei ist das Bühnenbild besonders spannend.

Bochum

, 07.02.2018, 16:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jugend von heute spielt „Jugend ohne Gott“

Martin Weigel gibt den Lehrer, seine Schüler verkörpern Absolventen der Folkwang Universität. Foto: Hupfeld © Birgit Hupfeld

Es ist zum Verzweifeln, den Lehrer aus Ödön von Horváths „Jugend ohne Gott“ vor der geifernden Schüler-Meute stehen zu sehen, wo er nach einem moralisch richtigen Standpunkt ringt in unmoralischen Zeiten. Der Roman von 1937 ist Schulstoff, aber Martina van Boxen schafft es in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses trotzdem, ihn frisch und temporeich auf die Bühne zu bringen.


Es wimmelt nur so vor Falltüren


Im spannenden Bühnenbild von Michael Habelitz, das von Falltüren nur so wimmelt, führen die aktuellen Absolventen des Schauspielstudiengangs der Folkwang Universität der Künste tollkühne Choreografien auf. Ihre perfekt getakteten Auftritte kommen ebenso plötzlich wie sie mit Sprüngen wieder im Boden verschwinden. In einer Öffnung der Bretterwand steht Manuel Loos und entwirft mit akustischem und elektronischem Instrumentarium einen minimalistischen Soundtrack.

Die Summe guter Einzelteile muss allerdings nicht zwangsläufig sofort ein stimmiges Ganzes ergeben. So stehen Musik, Schauspielschüler und die erfahrenen Darsteller Martin Weigel und Klaus Weiss, die den Lehrer und seine Vertrauenspersonen geben und somit als tragende Säulen fungieren, anfänglich etwas unverbunden nebeneinander.


Groteskes Gericht




Erst als im Zeltlager einer der Schüler ermordet wird und spätestens in der berühmten Gerichtsszene, die die Regisseurin stellenweise ins Groteske übersteigert, aber trotzdem ernst nimmt, verbinden sich die Sphären. Auch die Absolventen können sich hier in stärkeren Auftritten beweisen, als individuelle Theaterkünstler auffallen - und sogar live am Soundtrack mittüfteln.

Martina van Boxens vorletzte Inszenierung, bevor sie nach 13 Jahren als Leiterin des Jungen Schauspielhauses abgelöst wird, ist nicht nur ein starker Abschiedsgruß, sondern auch ein Beweis, dass die Absolventen-Stücke, die zuletzt im kleineren Theater Unten stattfanden, auf der großen Bühne funktionieren.

Termine: 17.2., 7./17.3., Karten: Tel. (0234) 3333 5555.
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