Juristen fordern Freigangsverbot für Hauskatzen in ganz Europa

Tierschutz

Jedes Jahr sind Katzen für den Tod von Millionen von Vögeln und kleinen Säugetieren verantwortlich. Zwei Juristen wollen die Haustiere deshalb einsperren – und berufen sich auf EU-Richtlinien.

Niederlande

03.12.2019, 11:58 Uhr / Lesedauer: 2 min
Juristen fordern Freigangsverbot für Hauskatzen in ganz Europa

Katzen jagen Mäuse, aber auch Vögel und andere Tiere. © picture alliance / dpa

Wenn es nach zwei niederländischen Juristen ginge, dürften Hauskatzen künftig nicht mehr vor die Tür. Ihrer Meinung nach ist es sogar illegal, die Vierbeiner unkontrolliert nach draußen zu lassen – Tierbesitzer würden damit gegen die europäische Naturschutzgesetzgebung verstoßen.

Die Hauskatze verursache ein ökologisches Chaos, davon sind die Anwälte Arie Trouwborst und Han Somsen von der Tilburg University überzeugt. Die Katze sei einer der größten Zerstörer von Tierarten, schreiben die beiden Forscher im „Journal of Environmental Law“. Demnach sei die Hauskatze eine Gefahr für rund 370 vom Aussterben bedrohte Arten.

Katzenhalter verstoßen gegen EU-Richtlinien

Das absichtliche Töten oder Stören von geschützten Tieren stehe im Widerspruch zu EU-Richtlinien. Darunter falle auch, Katzen unbeaufsichtigt draußen zu lassen in dem Wissen, welchen Schaden sie dort anrichten. „Auch wenn es nicht Ihre Absicht ist, wilden Tieren Schaden zuzufügen, wenn Sie die Katzenklappe offen lassen, geschieht dies in hohem Maße“, sagte der Forscher Han Somsen gegenüber der niederländischen Zeitung „Trouw“.

Allein in den Niederlanden würden jedes Jahr schätzungsweise 140 Millionen Tiere von Katzen getötet. Mindestens die Hälfte davon von einer der zwei bis drei Millionen Hauskatzen, schreiben die Juristen in der Zeitschrift „Journal of Environmental Law“. Unter den Opfern sind verschiedene Arten von Vögeln und Fledermäusen, aber auch Reptilien, Fische und Amphibien.

Für die Juristen führt deshalb kein Weg daran vorbei, den Freigang der Haustiere einzuschränken. „Alle anderen Haustiere gehen nicht ohne Besitzer nach draußen, von Hunden bis zu Schlangen“, sagt Trouwborst gegenüber „Trouw“. Die Ausnahmestellung der Katze sei verrückt.

Katzen unbeaufsichtigt Freigang zu gewähren „ist eigentlich verboten“

Für die Juristen sei diese Schädigung der Tierwelt überflüssig, da Hauskatzen nicht auf ihre Beute aus der freien Wildbahn angewiesen seien, sondern von ihren Besitzern gefüttert werden.

Vor allem für gefährdete Vögel stellten Hauskatzen die größte Gefahr dar. Wer seinen Stubentiger unkontrolliert nach draußen lasse und in Kauf nehme, dass gefährdete Arten getötet oder gestört werden, handele den Juristen zufolge illegal. Denn mit der Vogelschutzrichtlinie haben sich alle EU-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet, bestimmte Arten und ihre Lebensräume zu schützen und potenzielle Bedrohungen zu begrenzen. Eine Katze ohne Aufsicht herumlaufen zu lassen sei daher eigentlich bereits verboten, so die Anwälte gegenüber „Trouw“.


RND/mat

Lesen Sie jetzt