Kabarettstar Serdar Somuncu spielt in Mozarts „Enführung“

Oper Dortmund

Als „Hassprediger“ füllt Serdar Somuncu große Hallen. Als Provokateur spart der Kabarettist türkischer Herkunft nicht mit derbem Wortschatz und Beleidigungen. Ab dem 17. Mai erlebt ihn das Publikum in Dortmund in einer ganz anderen Rolle: als Bassa Selim in Jens-Daniel Herzogs Inszenierung von Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ im Dortmunder Opernhaus.

Dortmund

, 24.03.2014, 11:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der türkischstämmige Kabarettist Serdar Semuncu spielt den Bassa Selim in der Oper.

Der türkischstämmige Kabarettist Serdar Semuncu spielt den Bassa Selim in der Oper.

Termine „Entführung aus dem Serail“ im Dortmunder Opernhaus: 17. / 23. / 30. 5., 7. / 13. / 20. / 22. 6., 4. 7.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22.

Nein, nur in Münster. Ich spiele seit 1985 Theater, war auch am Schauspiel Bochum, und ich habe nie aufgehört, Theater zu spielen. Ich habe auch viele Hörspiele gemacht, das ist eine gute Möglichkeit, um nicht aus der Übung zu kommen. Wenn man anfängt als türkischer Schauspieler, wird man immer gleich besetzt, in Klischees. Ich hab mich hoch gearbeitet, und darauf bin ich stolz. Ich habe auch die letzten drei Radio-Tatorte gesprochen - in akzentfreiem Deutsch. Mit Oper hatte ich im Studium viel zu tun.

Ja, Schlagzeug und Komposition. Aber schon während des Studiums hatte ich die ersten Erfolge als Kabarettist. Ich wollte nicht als fünfter Trommler in einem Kurorchester enden.

Ja, klar. Sonst hätte sich das Studium ja nicht gelohnt. Ab Mai bin ich mit meiner Band auf Tour, und alle Stücke habe ich selbst geschrieben.

Ja, das macht man im Studium, aber es ist nie aufgeführt worden.

Ja, sie liegt bei mir im Regal.

Beide haben ähnliche Texte. Der Bassa ist ein Tyrann und sehr aufbrausend. Er ist ein Ausgegrenzter, der einzige, der nicht singen darf.

Auf der Bühne entlasse ich das Publikum ja auch mit einer positiven Erkenntnis und nicht mit einem schlechten Gefühl. Die beleidigende Seite des Hasspredigers ist eine Masche, die zeigt, was politisch nicht korrekt ist. Man kann mein Programm nicht auf Hass reduzieren, das ist angewandte Philosophie.

Wir haben darüber gesprochen, ich will das aber nur kreativ ergänzen und keine großen Monologe halten oder eine Soloshow draus machen. Das darf kein Spektakel werden. Ich hab nur eine kleine Rolle in dieser Oper. Wichtig sind die Sänger. Für mich ist es ein großes Erlebnis, mit Orchester, Chor und Sängern aufzutreten, die alle eine enorme Leistung bringen. Wenn meine Fans dann auch kommen und sich die Oper anschauen, freut mich das.

Das ist ein kompletter Gegensatz zu meinen Soloprogrammen. Da kommen die Leute wegen mir und wollen nichts anderes sehen. Aber es ist ja gerade das Schöne an meinem Beruf, dass er so unterschiedliche Facetten hat. Dieses ist Ensemblearbeit, da muss man wie beim Fußball im Team spielen.

Ja, das ist in Planung. 2015 laufen die Urheberrechte für das Buch aus. Da liegt es auf der Hand, ein kurzes Remake des Programms zu machen. Ich will an Orten auftreten, die als Brennpunkte in der Debatte um Zuwanderung stehen und als ausländerfeindlich gelten.  

Termine „Entführung aus dem Serail“ im Dortmunder Opernhaus: 17. / 23. / 30. 5., 7. / 13. / 20. / 22. 6., 4. 7.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22.

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