Kaufmann: Unsuk Chin wird neue Residenzkünstlerin

ESSEN Die Philharmonie Essen ist gerade erst für ihr Konzertprogramm ausgezeichnet wurden. Wie sieht es 2010, im Jahr der Kulturhauptstadt aus? Darüber haben wir mit Intendant Michael Kaufmann gesprochen.

14.07.2008, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie haben gerade den Preis für das beste Konzertprogramm bekommen. Kann man das 2010 steigern?

Kaufmann: Es sind die Ideen, die man mit dem Haus hat und die Nachhaltigkeit über 2010 hinaus haben. Wir denken nicht an Events, wir sorgen für die Highlights, aber auch für die grundsätzliche Versorgung der Menschen mit Kultur.

Wie wollen Sie die Philharmonie in der Fülle der Veranstaltungen profilieren?

Kaufmann:   Wir erfüllen keine Tourismusträume. Dafür bräuchte man 100 Mal "Abbamania" oder 10 Mal die "Zauberflöte". Wir regen mit thematischen Aussagen wie in der nächsten Saison "Stifter und Anstifter" zum Nachdenken über die Region an. 2009/10 ist der Schwerpunkt "Alte Welt - Neue Welt", Kultur im Osten und Westen. Damit stellen wir auch die Eurozentriertheit der Kulturhauptstadt ein bisschen in Frage. Unsuk Chin, koreanische Komponistin aus Berlin, wird unsere Residenzkünstlerin. Das Seoul Philharmonic Orchestra kommt im Juni 2010 für zwei Konzerte nach Essen und spielt eine Europäische Erstaufführung von ihr. Mit dem Orchester der Kulturhauptstadt Pecz gibt es eine Partnerschaft und Istanbul spielt auch eine Rolle.

Ihr Haus ist für die großen Mahler- und Bruckner-Zyklen bekannt. Die Bochumer Symphoniker spielen gerade einen Zyklus mit allen Mahler-Sinfonien. 2010 wollen Sie den mit Eschenbach wiederholen?

Kaufmann: Leider mussten wir das absagen, weil uns dafür kein Geld zur Verfügung gestellt wird. Zum 150. Geburtstag von Mahler wollte Eschenbach innerhalb von zehn Tagen alle Mahler-Sinfonien dirigieren, außer der 8., die hätte er zum 150. Todestag am 18. Mai 2011 aufgeführt. Das hätte auch von weit her Fans angelockt.

Wie begeistert man als Kulturhauptstadt Touristen?

Kaufmann: Es gibt Orte, die mit mehr Sexappeal ausgestattet sind. Wenn Lang Lang in Luzern spielt, fährt man da lieber hin. Aber es ist ja einer der Träume der Ruhr.2010, dass sich das Image der Region verändert. Es ist nur die Frage, ob das passiert, wenn man Konzerte in Zechen plant. Eine Seebühne auf dem Baldeneysee wäre wohl attraktiver.

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