„Kein Tag, an dem ich es nicht bereue“: Gastronom aus Recklinghausen zündet eigenes Lokal an

mlzLandgericht Bochum

Der Besitzer eines Restaurants in der Recklinghäuser Innenstadt hat sein eigenes Ladenlokal angezündet. Trotz Geständnis warf dieser Fall vor dem Landgericht Bochum viele Fragen auf.

Bochum, Recklinghausen

, 12.12.2019, 11:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Ziel eines Versicherungsbetrugs zündete ein Gastronom im Mai in Recklinghausen sein Lokal an. Das Urteil: eine empfindliche Strafe mit Perspektive.

Der ehemalige Betreiber (33) eines orientalischen Restaurants in der Innenstadt von Recklinghausen ist am Mittwoch am Bochumer Landgericht wegen besonders schwerer Brandstiftung zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Auf den ersten Blick wirkt die Strafe empfindlich. Auf den zweiten beinhaltet das Urteil aber eine echte Perspektive.

Neben der Haftstrafe haben die Richter der 11. Strafkammer angeordnet, dass der Brandstifter wegen seines jahrelangen Drogenmissbrauchs einen Teil der Gefängnisstrafe in einer geschlossenen Entziehungsanstalt verbüßen soll.

Unter Anrechnung von inzwischen sieben Monaten U-Haft könnte der 33-Jährige bereits im Sommer 2020 eine mit eineinhalb Jahren Dauer veranschlagte Entzugstherapie beginnen. Absolviert er diese erfolgreich, würde ab Ende 2021 die restliche Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Feuerversicherung sollte die Schulden decken

Der Ex-Betreiber des syrischen Restaurants „Damaskus Gourmet“ an der Recklinghäuser Martinistraße hatte beim Prozessauftakt in Bochum sofort zugegeben, aus Verzweiflung über seine desolate Finanzsituation in der Nacht auf den 3. Mai selbst Feuer in seinem Ladenlokal gelegt zu haben. Ziel der Brandlegung sei es gewesen, Geld von der auf eine Summe von 250.000 Euro abgeschlossenen Feuerversicherung zur Tilgung seines Schuldenbergs zu verwenden.

„Ich habe einen großen Fehler gemacht“, hatte der syrische Gastronom kurz vor der Urteilsberatung erklärt. „Ich bin jetzt seit 206 Tagen in Haft und es vergeht kein Tag, an dem ich das, was ich getan habe, nicht bereue.“

„Frühes und freimütiges Geständnis“

Die Richter berücksichtigten bei der Bemessung der angemessenen Strafe einerseits die „ausweglose Situation“ des zur Tatzeit lebensmüden und depressiven Gastronoms.

Vor allem aber sei dem 33-Jährigen sein „frühes und freimütiges Geständnis“ anzurechnen. „Ohne das“, sagte Richterin Susanne Schön-Winkler, „wären wir sicher erst in einem Bereich von acht Jahren Haft eingestiegen“.

Auf der anderen Seite könne man aber keinesfalls die Augen davor verschließen, dass es bei dem Brand auch um Leben und Tod hätte gehen können. „Eine konkrete Lebensgefahr bestand hier zu Ihrem und aller Glück nicht“, resümierte die Richterin gegenüber dem Angeklagten. Nach intensiver Prüfung kam das Gericht auch zu dem Schluss, dass der 33-Jährige tödliche Auswirkungen für die Anwohner des Geschäfts- und Wohnhauses nicht in Kauf genommen habe.

Schaden allein am Gebäude „deutlich über 20.000 Euro“

Nach Angaben eines Sachverständigen sei es aber nicht ausgeschlossen gewesen, dass das an unzähligen Stellen durch Brandbeschleuniger und in Öl getränkte Tücher entfachte Feuer auf die über dem Lokal gelegenen Wohnungen übergreift.

Laut Urteil lagen die veranschlagten Entkernungs- und Modernisierungskosten „bei deutlich über 20.000 Euro“.

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