Keine Covid-19-Immunität: Erster Corona-Infizierter Deutschlands hat keine Antikörper mehr

Coronavirus

Wer mit dem Coronavirus infiziert war, bildet spezielle Antikörper, die gegen eine neue Infektion immun machen. Doch diese können wieder aus dem Blut von genesenen Patienten verschwinden.

Starnberg

28.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Corona-Pandemie hoffen viele Menschen auf Immunität durch Antikörper – doch diese bleiben nicht dauerhaft.

In der Corona-Pandemie hoffen viele Menschen auf Immunität durch Antikörper – doch diese bleiben nicht dauerhaft. © picture alliance/dpa

Vor exakt sechs Monaten wurde der erste Corona-Fall in Deutschland nachgewiesen. Am 27. Januar wurde die Infektion im bayerischen Kreis Starnberg bestätigt. Der Mitarbeiter der Firma Webasto hatte sich bei einer chinesischen Kollegin angesteckt. Rund zwei Wochen später, am 13. Februar, wurde der Mann gesund aus dem Schwabinger Krankenhaus entlassen.

Der Webasto-Mitarbeiter hat die Infektion mit Covid-19 gut überstanden, Spätfolgen seien bei ihm nicht festgestellt worden, sagt er gegenüber „Bild“. Doch schon kurze Zeit nach der Infektion konnten bei ihm auch keine Antikörper gegen das Coronavirus mehr nachgewiesen werden. „Seit April habe ich keine neutralisierenden Antikörper mehr“, erklärt er.

Immunität durch Antikörper schützt nicht dauerhaft

Dass die Immunität gegen das Virus nicht von Dauer ist, bestätigen mittlerweile mehrere medizinische Studien. Weltweit kommen Forscher zu dem Resultat, dass die schützenden Antikörper im Blut nach kurzer Zeit wieder verschwinden können. Forscher des „King´s College London“ stellten beispielsweise fest, dass drei Monate nach der Infektion nur noch 17 Prozent der Patienten Antikörper gegen Sars-CoV-2 aufwiesen. Damit wird auch eine langfristig schützende Immunität gegen das Coronavirus zunehmend unrealistisch.

Auch laut Robert Koch-Institut sei derzeit noch unklar, wie robust und dauerhaft ein Immunstatus aufgebaut wird. „Die Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen (Sars und Mers) deuten darauf hin, dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte“, heißt es auf der Homepage der Gesundheitsbehörde.

Obwohl der bayerische Webasto-Mitarbeiter einige Wochen durch die gebildeten Antikörper gegen eine neue Infektion geschützt war, verhielt er sich umsichtig. „Mir war klar, dass mein Körper zu dem Zeitpunkt immun gegen das Virus war“, berichtet er. „Jedoch war mir auch bewusst, dass ich trotz Immunität ein Überträger auf andere hätte sein können. Ich habe stets Abstand gehalten, habe eine Maske getragen und Händehygiene beachtet“, erzählte er im Interview mit „Bild“. Diese Maßnahmen sind trotz gebildeter Antikörper für den Schutz anderer unerlässlich. Diese Maßnahmen führe er bis heute so fort – und riete auch jedem anderem eindringlich dazu.

RND

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