Keine Maskenpflicht bei unter 100 Neuinfektionen – aber wann ist es so weit?

Maskenpflicht

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus müsse unter 100 sinken, um die Maskenpflicht zu beenden – doch diese Eilige Entscheidung könne der Wirtschaft schaden.

Berlin

11.07.2020, 18:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zieht eine Gesichtsmaske auf.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zieht eine Gesichtsmaske auf. © picture alliance/dpa

Signale und Zahlen lassen sich unterschiedlich lesen. Wie schnell etwa lässt sich ein Wert von unter 100 erreichen, wenn derzeit noch knapp 400 aktuell sind? 378 Neuinfektionen mit dem Corona-Virus meldete das Robert-Koch-Institut am Samstag.

Grund zum weiteren Maskentragen, befand Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU): „Solange wir im Durchschnitt täglich mehrere hundert neue Infizierte haben, wird sie überall bleiben müssen, wo der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten wird“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Wenn wir bei den Infektionen dauerhaft zweistellig sind, müssen Mediziner und Politik neu nachdenken.“

Die FDP begriff Altmaiers Zielmarke als Signal für ein baldiges Ende der Maskenpflicht. „Auch der relativ geringe Eingriff der Maskenpflicht ist bei einem geringen Infektionsgeschehen über einen längeren Zeitraum irgendwann nicht mehr verhältnismäßig. Ich freue mich über die Rückendeckung durch Herrn Altmaier in dieser Frage“, sagte der stellvertretende FDP-Fraktionschef Michael Theurer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Kanzlerin Merkel und der bayerische Ministerpräsident Söder sollten diese Forderung endlich aufgreifen und nachjustieren.“

Einschränkungen von Grundrechten müssten verhältnismäßig und nachvollziehbar sein, um den Schutz der Gesundheit und verfassungsrechtlich garantierter Freiheitsrechte zu vereinen.

Die Warnung der Grünen

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) dagegen bremste: „Wir sollten jetzt nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Lockerungen ausreizen, sondern immer mit einem gewissen Sicherheitspuffer handeln“, sagte die CDU-Politikerin der „Passauer Neuen Presse“. „Wir müssen an der gegenwärtigen Maskenpflicht und den Abstandsregeln festhalten.“

Ein schwerer Rückschlag würde nicht nur die Gesundheit von Menschen gefährden, sondern auch der Wirtschaft schwer schaden. „Dessen müssen wir uns bewusst sein, auch wenn die Regeln manch einen nerven.“


Und auch bei einer anderen Oppositionspartei hieß es: Gemach, gemach. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warnte davor, das Virus zu unterschätzen, „auch wenn man jung und gesund ist“. Solange es keinen Impfstoff gebe“, müssten alle vorsichtig bleiben, sagte er der „Rheinischen Post“.

Auch er warnte vor den negativen Auswirkungen einer zweiten Infektionswelle auf die Wirtschaft.

Und aus dieser Wirtschaft meldete sich der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE, Stefan Genth. Eine Aufhebung der Maskenpflicht sei nur dann sinnvoll, wenn sich Kunden und Mitarbeiter auch ohne Mund-Nase-Schutz beim Einkaufen wohl fühlten, sagte er der dpa. „Es geht darum, die Maskenpflicht, sobald es die medizinische Situation vernünftig und für Kunden sowie Mitarbeiter sicher erscheinen lässt, abzuschaffen.“

Wann der Zeitpunkt dafür gekommen sei, müssten die politisch Verantwortlichen und Wissenschaftler gemeinsam beschließen. Dabei müsse die Bevölkerung transparent über die Grundlagen der Entscheidung informiert werden, denn „nur so ist eine Rückkehr zum angenehmen Shopping-Erlebnis möglich“.