Drogen-Dealer am Spielplatz: Für diese Dortmunder Kitas gehört das zur „Routine“

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Lärm und Müll, Drogen und Kriminalität: Was sich in einem Dortmunder Park abspielt, bringt nicht nur die Anwohner auf die Palme. Für die umliegenden Kitas gibt es schon einen „Zaundienst“.

Nordstadt

, 23.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Anwohner, der in der Bürgersprechstunde der Bezirksvertretung Nord Mitte September den Park zur Sprache bringt. Während die Vertreter der Parteien zuhören, schildert Michael R. sein Problem.

Ein Problem, das nicht neu ist. „Seit 17 Jahren wohne ich am Keuning-Park“, erzählt der Anwohner den Politikern. „Ich habe schon ernsthaft erwägt, wegzuziehen.“ Verschiedene Treffpunkte, an denen lautstark Musik gehört würde, seien dabei nur ein lästiger Nebenaspekt.

Zweifelhafte Angebote: „Was brauchst du?“

Was ihn viel mehr stört, seien die Drogengeschäfte, die hier abgewickelt würden. „Hier spielen Kinder auf dem Spielplatz, und in unmittelbarer Nähe wird gedealt. Das geht doch nicht“, sagt Michael R. Seinen vollständigen Namen möchte er nicht in dem Artikel lesen. „Dann heißt es, das ist nur so einer, der meckert“, befürchtet er.

Auch die Fabido-Kitas Leopoldstraße und Steinstraße liegen in unmittelbarer Nähe. Im Bereich der Zäune gibt es immer wieder Müllprobleme – oder die Zaunmaschen werden, wie Anwohner beobachtet haben, direkt von Dealern und Drogenkonsumenten als Ablagedepot oder Versteck genutzt.

Drogen-Dealer am Spielplatz: Für diese Dortmunder Kitas gehört das zur „Routine“

„Die Kinder kommen nicht mit diesen Dingen in Berührung", versichert die Stadt Dortmund. © Martina Niehaus

Ein kurzer Gang durch den Park zeigt der Autorin: Der Anwohner ist alles andere als ein „Meckerkopp“. Es dauert nur wenige Minuten, bis der Erste anschlendert und fragt, ob „alles klar“ sei. „Brauchste was?“ Was immer er im Angebot hat: kein Bedarf. Kamera einpacken und weitergehen.

Prompt schlurft die Konkurrenz um die Ecke: Zwei Männer, die Wollmützen tief in die Stirn gezogen, bieten etwas zum Kauf an.

Kollege Nummer Vier kann nicht in die Verhandlungen einsteigen, weil er im Gebüsch steht und an den Kita-Zaun pinkelt. Der Foto-Termin ist schnell beendet – für eine genauere Analyse hat es bei dem überstürzten Aufbruch nicht mehr gereicht.

Kita-Mitarbeiter kontrollieren die Zäune: „Das ist Routine“

„Die Kinder kommen mit diesen Dingen nicht in Berührung“, versichert Anke Widow von der Pressestelle der Stadt Dortmund auf Anfrage. „Wir haben die Verantwortung für die Kinder und nehmen diese auch sehr ernst.“

Das „Problem Keuning-Park“ sei der Stadt durchaus bekannt. Die Außengelände der Kindertageseinrichtungen würden jeden Morgen abgegangen und kontrolliert, um „alles Mögliche“ zu beseitigen.

Drogen-Dealer am Spielplatz: Für diese Dortmunder Kitas gehört das zur „Routine“

Hohe Zäune umgeben viele Kitas – hier werden sie regelmäßig auf Müll und „andere Dinge“ kontrolliert. © Martina Niehaus

In den Kitas Leopoldstraße, Steinstraße und Münsterstraße waren in der Vergangenheit im Zuge eines Arbeitsbeschaffungsprojektes Mitarbeiter der Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) dafür eingesetzt worden. „Das Programm ist jedoch gestoppt worden, momentan machen das die Kita-Mitarbeiter“, sagt Anke Widow. „Das gehört zur Routine.“

Immer wieder gibt es Festnahmen durch die Polizei

Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder kennt das Problem seit Jahren. „Da kriegen wir dauernd Mails mit massiven Beschwerden der Anwohner oder aus den Kitas“, sagt der 73-Jährige.

Doch politische Überlegungen, wie man den Park und die Plätze gestalten könne, seien keine Lösung. Selbst rigorose Aktionen würden nicht greifen: Reiße man eine Bank weg, sorge dies lediglich für einen Verdrängungseffekt. Immer wieder würden Verdächtige festgenommen, „die übliche Klaviatur eben“, sagt Jörder. „Polizei und Ordnungsamt sind dort oft vor Ort.“

Doch das reicht Anwohner Michael R. nicht mehr. „Die Polizei muss doch die meisten Verdächtigen direkt wieder laufenlassen, das habe ich schon mehrmals gehört.“

Polizeipressesprecher Peter Bandermann spricht dagegen von einer „klaren Kante“, die die Polizei in Sachen Drogenkriminalität fahre. „Es gibt nur wenige Orte in Dortmund, an denen die Polizei so stark präsent ist wie im Keuning-Park.“

Die Leitung der Polizeiwache Nord hat zu einem Pressegespräch am 31. Oktober eingeladen. „In diesem Park gibt es besondere Hintergründe, die man dann besser erläutern kann.“

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